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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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Frieden willst, bereite den Frieden! - und zwar dort, von wo aus es einzig werden kann, wie alles Menschliche: in den Menschen, Freilich darf diese Aufgabe, an der sich Lehrer sehr verschiedener Parteirichtung beteiligen könnten, nicht mit jenem billigen Optimismus unternommen werden, der den Großteil der Erziehungswissenschaft kennzeichnet» Dieser Optimismus rührt aus einem psychologischen Fehlschluß her: der Lehrer sieht in den Kindern vor sich seine Kindheit und schließt: was mir gelang, kann auch ihnen gelingen. Dieser Schluß birgt nicht weniger als drei Fehlerquellen. Erstens sieht jeder erwachsene Mensch seine eigene Kindheit falsch, d. h. unter der nachträglichen Berichtigung seines heutigen Standpunkts; diese Einsicht hat die Psychoanalyse unabweisbar erhärtet. Zweitens trifft der Vergleich nur den sehr kleinen Teil von Kindern, die dazu veranlagt sind, auch Lehrer zu werden. Denn es gehört eine ganz bestimmte Seelenlage dazu, sich für den Lehrberuf zu entscheiden; ein gewisser Verzicht auf unmittelbare politische Tätigkeit, denn der Lehrer bereitet bestenfalls die Zukunft vor, niemals formt er die Gegenwart, und nur das heißt Politik. Außerdem eine bestimmte Beziehung zur Jugend, zur eigenen und zur fremden, eine bestimmte Beziehung zum Wissen überhaupt, doch wiederum keine so starke und einseitige, das nur seine unabgelenkte Vermehrung und Vertiefung, nicht aber seine Weitergabe reizte usf. Wir wollen hier keine Seelenkunde des Lehrers schreiben, sondern nur die Sonderbedingungen andeuten, unter denen ein junger Mensch steht, der Lehrer werden will und es geworden ist. Der Großteil der Jugend steht nicht unter diesen Sonderbedingungen, sondern unter sehr verschiedenen, auch in sich sehr verschiedenen, anderen. Dieses kennenzulernen muß sich der Lehrer bemühen, statt seine eigenen ihnen gleichzusetzen. Und die dritte Fehlerquelle ist eine gesellschaftliche: der Lehrer steht als unabsetzbarer Staatsbeamter, ähnlich wie der Richter, in einem höheren Grade außerhalb des Klassenkampfes als der freie Unternehmer oder der freie Arbeiter. In Zeiten freilich, wo der Staat selbst den Klassenkampf führt, muß er diese seine Freiheit gegenüber dem Staat dauernd verteidigen, wenn er sie behalten will; aber es ist ihm dies immerhin leichter als dem der Willkür preisgegebenen „freien", d. h. vogelfreien Proletarier, und in gewissen Zeiten vielleicht sogar leichter als dem unter dem Innungsdruck stehenden Industriellen. (Man denke an Walther 448

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