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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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zösischen Revolution64 nicht etwa verarmt war, sondern sich deutlich kräftigte und eben deshalb zur politischen Macht drängte), oder finden sich marxistische Ideen und die Ausdehnung des Industrieproletariats, dann ist der Tunnel gleichsam durchbohrt und es entsteht etwas Neues. Keiner der beiden Bohrer aber ist dabei überflüssig. Für den Lehrer bedeutet das: er kann sich aus seiner, meist entweder klein- oder großbürgerlichen Klassenlage befreien, wenn er deren Bedingtheit und die aus ihr folgenden Werturteile zunächst einmal klar durchdenkt, was nicht heißen muß: verneint. Gelingt ihm das, so kann er eine Stellung zwar nicht über, aber zwischen den Klassen gewinnen, die ihm die Schultätigkeit ermöglicht. Selbst dann, wenn er entschiederer Sozialist ist, muß ihm, wie mir wenigstens scheinen will, eine solche Stellung erwünscht sein. Denn selbst nach Marxens und Lenins Lehre ist der Zustand der Klassenherrschaft des Proletariats, der Diktatur einer Minderheit, doch nur ein „Fegefeuer", an dessen Ende die von Marx verheißene „klassenlose Gesellschaft" steht. Wie diese aber erwachsen soll, wenn das Proletariat lediglich in dem Gedanken groß wird, seine eigene Zukunft sei mit derjenigen der gesamten Menschheit schlechthin gleichzusetzen, ohne daß von vornherein der Gedanke der Rücksicht auf heute herrschende, aber benachteiligte Schichten mitgepflegt wird, das ist sowohl wirtschaftlich wie psychologisch nicht einzusehen. Leider zeigt auch Rußlands Beispiel, daß diese Befürchtungen nicht zu Unrecht bestehen, und es zeigt sich dieGefahr einer neuen (Beamten-) Bourgeoisie, eines neuen Proletariats und neuer, nur vertauschter Klassenungerechtigkeit. Auch dafür zu kämpfen mag noch im Sinn einer ausgleichenden Gerechtigkeit wertvoll sein, die nun einmal eine andere Klasse auf den Sonnenplatz bringen will, aber von der verheißenen klassenlosen Gesellschaft ist dieses Bild sehr fern. Wenn Bernfeld sagt, daß der Sozialismus für Recht schlechthin kämpft, „denn die Freiheit der Unterdrückten ist für die Unterdrückten die Freiheit, ihr Recht ist ihnen das Recht1),"4 so könnten die heute in Rußland unterdrückten bürgerlichen oder religiösen Gruppen den gleichen Gedankengang für sich in Anspruch nehmen und die Geschichte hörte niemals auf, eine „Geschichte von Klassenkämpfen" zu sein. Wer das, ganz im Sinn des Kommunistischen Manifests, nicht will, wird das Gegenteil vorbereiten müssen - wenn du den x) Bernfeld, Sisyphos, S. 113. 447

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