Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir nehmen diesen Anspruch als gegeben. Aber wir wollen versuchen, seine Wirkungsgrenzen für unsere konkrete Situation festzustellen. Diese Begrenzung liegt, zentral gesehen, darin, daß derart ja die Bewegungen, Geschehnisse, Bildungen und Nöte des öffentlichen Lebens nicht aus der Teilhaberschaft an der Geschöpf lichkeit und menschlichen Verantwortung, sondern aus der Distanz eben des „Reiches nicht von dieser Welt" und nach dem Verhältnis jener zu allgemein sittlichen und rechtlichen Maßstäben und allgemein gültigen Wahrheiten gesehen und beurteilt werden. Dies führt zu einer wichtigen Klärung für unsere Ausgangsfrage. Die Kirche hat in dieser Weise Stellung genommen zum Sozialismus: zu ihm nicht als der geschichtlichen Bewegung des Proletariats gegen die moderne kapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung - nicht also in der Begegnung inmitten der geschichtlichen Wirklichkeit - sondern zu ihm als einer Bewegung, die programmatisch auf bestimmten geistigen Stellungnahmen, Lehren und Zielsetzungen aufruht. Diese verstoßen nach dem Urteil des kirchlichen Lehramtes gegen die Normen und Gesetze der Schöpfung, teils auch gegen den Bestand der Kirche. So z. B. die grundsätzliche Erklärung der „Religion zur Privatsache"; die grundsätzliche Leugnung und Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln; die Lehre vom Klassenkampf und seine Erhebung zum politischen Prinzip; die einseitige materialistische Geschichtstheorie. Um ihretwillen in erster Linie hat das kirchliche Amt den Eintritt in die sozialistischen Organisationen verboten und mit kirchlichen Strafen belegt. Die seelsorgerischen Motive, die in starkem Umfang die Eingriffe der Kirche in die öffentliche Lebensordnung und die Bevormundung ihrer Glieder in ihren politisch-sozialen Betätigungen bedingen, treten auch hier dazu. Es wird nun verständlich, warum die Kirche nicht ebenso wie gegen den Sozialismus und gegen den Kommunismus auch gegen den Kapitalismus vorging. Die üblichen Mißverständnisse entstehen hier wesentlich aus der Verkennung des Tatbestandes, daß die erwähnten Eingriffe der Kirche in das politische Gebiet kein eigentliches politisches Handeln sind, ihre Gegnerschaft zum Sozialismus deshalb auch nicht politischer Natur ist. Darum kann auch die politische Stellungnahme zum Sozialismus den Katholiken durch das Diktum der Kirche wohl unmöglich gemacht, aber nicht abgenommen werden. Dem Kapitalismus gegenüber sieht sich die 434