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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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Wirklichkeit des Menschen, und ohne Wiederverbindung mit ihr im Glauben, ohne ihre liebeskräftige menschliche Erschließung in alle Bereiche der Schöpfung hinein - Nikolaj Berdjajew nennt dieses die christologische Vollmacht des Menschen - ist die Lösung auch der irdischen Aufgaben im ganzen Umfang und die Gesundung der geschöpflichen Welt unmöglich. Diese kurze Formulierung ist für die folgende Klärung unentbehrlich. Die fundamentale Bedeutung der Kirche für das innerweltliehe Reich, die grundlegende Zuordnung der beiden Wirklichkeitssphären hat nun in der mittelalterlichen Geschichtsepoche zu der Folgerung geführt, daß der Kirche selbst - als sichtbarer, in die Welt hineingegründeter Institution - das Werk der Erneuerung des Irdischen, der Gestaltung des geschiehtlichen Lebens unmittelbar aufgegeben sei. Wenn wir auch überzeugt sind, daß dieses Werk kraft der Kirche nur geschehen kann und die erneuerten Bereiche des Irdischen ihr Herzblut in sich tragen, so können wir doch den obigen Anspruch auf unmittelbare Welterneuerung nicht als selbstverständlich anerkennen. Die Kirche als Institution, die sichtbar verfaßte Kirche ist in ihrem Sein und Wirken auf Erden polar begrenzt: als spezifische Gemeinschaft der Gnadenordnung hat sie in diesem Äon die Sendung, die Menschen in dem ihr anvertrauten Otfenbarungs- und Gnadenbereich wieder zu beheimaten, das heilige Herdfeuer der Offenbarung auf Erden zu hüten und an die Menschen weiterzugeben. Von dieser Sendung aus begreift sich die Notwendigkeit für die Kirche, auch der Welt und ihrem Geschehen gegenüber liebend aufgeschlossen zu sein. Das spezifische Missionswerk der Kirche ist ja nur möglich, wenn es den geschichtlichen Besonderungen der missionierten Menschen gegenüber unter der Wandlungs- und Gestaltungskraft der Liebe geschieht. Und auch das innerkirchliche Leben selbst muß, bei aller Lnverbrüchlichkeit der Dogmen, der Sakramente und der Ämterordnung, doch zugleich in seinen religiösen Lebensformen die besonderen geschichtlichen Ordnungen, Nöte, Aufgaben der Welt, in die ihre Glieder handelnd und leidend hineingestellt sind, mitverantworten - aber eben wie der betende Moses die Schlacht der Israeliten, d. h. in kirchlicher Transformation. Ein anderes aber ist die wirkende Erschließung der Kräfte der Kirche in die heilungsbedürftige Schöpfung hinein und die unmittelbare Gestaltung des irdischen Lebens vermöge dieser Kräfte. Dieses erschließende und durchdringende Wirken ist nicht der Kirche als eigenständiger In- 431

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