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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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nisvollen, tragenden, vom männlichen Gesetz verhehlten Daseinsmächte die für Leben und Wirklichkeit entscheidenden waren, zum Quell letzter Erschließung werden. Und wenn Hegel selbst das weibliche Prinzip der Einzelnheit „die ewige Ironie des Gemeinwesens" genannt hat, so hat er damit jene Funktion des Weiblichen am Lebensreich des Mannes bezeichnet, die es den Romantikern gerade zur Erfüllung ihres Lebensideals selbst werden ließ. Im Grunde konnte nur die Frau das romantische Lebensideal wirklich erfüllen, sofern ihr die männlichen Ordnungen überhaupt fremd und nachträglich sind. Jener dunkle schöpferische Mittelpunkt des Universums, den Novalis das Gewissen nennt - dies in keiner Weise mehr moralisch oder christlich zu verstehende Urphänomen des Menschendaseins überhaupt - war der Frau fragloser zu erfahren, reiner zu bewahren gegeben als dem Mann. So repräsentiert sie die unmittelbare Möglichkeit eines Lebens, das der Mann nur sucht und denkend und dichtend darstellt. Aber auch sie nur der Möglichkeit nach, auch sie nur als Ideal, nicht als Wirklichkeit. Die „selbständige Diotima" Friedrich Schlegels, die Frau, die aus dem Geheimnis des Lebens und der Liebe, dessen Erfassung der Mann sich immer nur im Geiste annähert, unmittelbar lebt und redet, und die zugleich aus ihm heraus ein neues rein zentral bestimmtes in alle Sphären sich ausbreitendes Leben entfaltet, die unbekümmert um alles Gesetzte wie „eine moralische Anadyomene" frei und leuchtend aus dem großen Weltmeere der Vorurteile herauftaucht und so aus ihrer tieferen ursprünglicheren Gesetzlichkeit alle nachträglichen, vom Mann gesetzten Ordnungen und Gesetze mit göttlicher Ironie auflöst - diese Frau ist noch keine Wirklichkeit. Die wirkliche Frau aber wird angeschaut als reinste Gewähr und als tiefstes Sinnbild des romantischen Erlösungstraumes. „Könntest du nur sehen, wie du mir erscheinst," sagt Heinrich von Ofterdingen zu Mathilde, „welches wunderbare Bild deine Gestalt durchdringt und mir überall entgegenleuchtet, du würdest kein Alter fürchten. Deine irdische Gestalt ist nur ein Schatten dieses Bildes. Die irdischen Kräfte ringen und quellen, um es festzuhalten, aber die Natur ist noch unreif; das Bild ist ein ewiges Urbild, ein Teil der unbekannten heiligen Welt.66 Die Natur ist noch unreif - das, was eigentlich an der Geliebten geliebt wird, ist in ihrer natürlichen Erscheinung noch nicht vollendet; in ihr reift es erst zu seiner Vollendung; die Erfüllung göttlicher Menschlich- 416

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