Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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entbrennen, um dennoch ahasverisch durch alles Einzelne hindurchzurasen, sich in keinem beruhigen, keines in sich selbst genießen zu können : dieser Rhythmus des ewigen Don Juan, des ewig erotisch Entflammten, den nur der göttlich erlösende Mensch, den nur der romantische Christus zuletzt ganz in sich aufnehmen und zur Ruhe bringen kann. Aber wenn so aus der unendlichen Nacht des Inneren Christus im reichgewebten Mantel lyrischer Symbolik, verwandelt als Natur und Geist in sich versöhnender Messias, als eine Gestalt unendlicher Zukunft hervortritt, so tritt neben ihn noch eine andere, bescheidenere, irdischere und gegenwärtigere Gestalt, die, in ihrer höchsten Form gleichfalls aus dem Inneren hervorgezogen, doch in erblickbarer Wirklichkeit dem romantischen Sehen entgegenkam: die Frau. Christus und Sophie - Novalis hat den Mut, sie nebeneinanderzustellen : die höchste göttliche Gestalt des Lebens und die frühverklärte kindliche Braut: gleichsam als Symbol der Welterlösung und der persönlichen Erlösung - auch hier wieder der Erschließer und Vermittler tiefsten romantischen Schauens. Denn nur an dem Endpunkt und Mittelpunkt der romantischen Welterfassung ist die eigentümliche Beziehung der Romantik zur Frau zu verstehen. Sie selbst hat inessianische, hat erlösende Bedeutung. Christus und Sophie, Sophie und die Madonna, die Geliebte, dir Mutter und die Erlöserin sind eins. Die Frau als die, die in den Mittelpunkt des männlichen Wesens trifft und es zu sich selbst entzündet, i^t zugleich die, die unabgelenkt von einer leblosen zerstückten Sachwelt ain innerstem Mittelpunkt: aus dem reinen mystischen Verhältnis zum Ganzen des Lebens lebt und es so aus seiner Unmittelbarkeit selbst zu gestalten vermag. Unendlichkeit, Nacht, Tod und Frau gehören zusammen. Das Lebensreich der Frau ist das der reinen Unmittelbarkeit: jenes erstgesetzte, vor allem menschlichen Eingriff, aller menschlichen Ordnung Seiende, das Hegel als die unbewußte Substanz, als Träger der Einzelnheit unterhalb aller Allgemeinheit mit dem Namen des göttlichen Gesetzes ausgesprochen hat. Diese dunkle vorbewußte Sphäre des in sich ruhenden Einzellebens, die Hegel der des menschlich-männlichen Gesetzes nur als tragende zugleich und feindliche Nachtwelt unterbaut, mußte für die Romantiker, die die allzuhelle Welt des männlichen Gesetzes und seiner allgemeinen Ordnungen verachteten, denen die geheim-