Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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keit ist in der irdischen Frau nur symbolisch dargestellt zugleich und wirklich angelegt. Darum fordern auch die Romantiker unablässig von der wirklichen Frau, daß sie ihrer Vollendung entgegenreife, daß sie sich zu dem vollende, was sie ist. Nie hat das hohe Bild von der Frau, das sie in sich trugen, ihr klares Urteil über die wirkliche Frau getrübt; unablässig haben sie von ihrem Frauenideal aus neue Forderungen an die Frauen herangetragen. Das vom romantischen Eros in seiner Unmittelbarkeit vergöttlichte und doch zugleich aller Dumpfheit enthobene weibliche Menschentum als Gegenstand der Verehrung, aber eben darum auch der unnachsichtigen Forderung erlegte der Frau eine Verantwortung auf, wie sie sie bis dahin in der Geschichte noch nicht gekannt hatte: in ganz bewußter menschlicher Freiheit den tiefer in das Unbewußte hinabgesenkten natürlichen Kern ihres Wesens zur höchsten geistigen Blüte zu entfalten, um aus ihm heraus Richter aller männlichen Werke und Werte zu werden. Nichts hat der Romantiker an der Frau so sehr geliebt wie ihre unmittelbar einschlagende Kritik aus einem Gewißheitsgrunde, der sich ihm entzog. Was mit alldem von der Frau gefordert war, war keineswegs die Verwirklichung eines rein weiblichen Lebensideals - sondern es war die reinere Verwirklichung des romantischen Lebensideals überhaupt. Und weil dies die Frau ihrem Wesen nach reiner als der Mann zu verwirklichen vermochte, weil das, was er von ihr verlangte, nicht etwas durch ihn von außen her an sie Herangetragenes, sondern eben ganz und gar das ihr Eigene war, fand die Frau im romantischen Kreis den Boden einer Lebenswahrheit, in dem sie wie niemals in der europäischen Geschichte Wurzel schlagen konnte. Ihre Entwicklung zum Geistigen aber brachte sie in der Entfaltung des Eigenen zugleich dem Leben des Mannes w ieder näher, als Freundin und als Gefährtin. Wie in der Romantik alle \\ erte und Beziehungen des persönlichen Lebens sich erneuten und vertieften, so vor allem das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Nie klang der Akkord zwischen dem Wesen des Mannes und dem der Frau tiefer zusammen als in dieser Zeit; nie hat darum das Leben der Frau voller und tiefer geblüht. Und doch wird auch hier aller Schönheit und Erfüllung zum Trotz und eben in ihr das Grundproblem der Romantik wieder sichtbar. Gerade an diesem Punkt tiefer, sehnsüchtiger noch als in ihren rein geistigen Gestaltungen sank die Romantik zurück in das reine Innere und baute es 417