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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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durchsetzt sind, nicht zufällig sind. Die Legende von der ungewöhnlichen Folgerichtigkeit Spinozas hätte man längst vergessen sollen. Sie ist nur dank der äußeren Form seiner Darstellung in die Welt gekommen - die vorgeblich eine mathematische ist: Definitionen, Axiome, Postulate, Lemmas, Beweise usw. Das System Spinozas ist aus zwei gänzlich unvereinbaren Ideen zusammengesetzt. Einerseits der „mathematischen Weltauffassung" (es ist das, was „historische" Bedeutung hatte und Spinoza so „einflußreich" machte): alles in der Welt geschieht mit jener inneren Notwendigkeit, mit der sich mathematische Wahrheiten entwickeln. Als einer seiner Korrespondenten ihm den Vorwurf machte, daß er seine Philosophie für die beste Philosophie halte, antwortete er ihm schroff: Nicht für die beste halte ich sie, sondern für die wahre. Und wenn du mich fragst, warum, so werde ich sagen: aus dem gleichen Grunde, warum du meinst, daß die Summe der Winkel eines Dreiecks zwei Geraden entspricht. Spinoza spricht auf Schritt undTritt von Mathematik. Er erklärt, daß die Menschen nie die Wahrheit erkannt hätten, wenn es keine Mathematik gäbe. Nur die Mathematik verfüge über die wahre Methode des Forschens, nur die Mathematik sei das ewige und vollkommene Vorbild des Denkens, und zwar gerade deshalb, weil sie nicht von menschlichen Zwecken und Bedürfnissen, sondern von Figuren, Linien, Flächen spricht, mit anderen Worten, nach der „objektiven" Wahrheit sucht, die an und für sich, unabhängig von den Menschen oder anderen bewußten Wesen existiert. Der Mensch bildet sich ein, daß alles seinetwegen geschaffen sei, daß er im Weltall gewissermaßen einen Staat im Staate bilde. Gewiß enthalte die Bibel die Worte: Als Gott den Menschen erschaffen hatte, sagte er ihm, daß ihm die ganze Welt gehöre. Aber das seien nur bildliche Ausdrücke, die nicht buchstäblich, sondern in übertragenem Sinne zu verstehen seien. Die durch die Mathematik an klare und deutliche Urteile gewöhnte Vernunft sehe, daß der Mensch in der unendlichen Anzahl der Kettenglieder der Natur nur ein Glied ist, das sich durch nichts von den anderen Gliedern unterscheidet, und daß das Ganze, die ganze Natur oder Gott oder die Substanz (wie freuten sich alle, als Spinoza Gott mit dem so „befreienden" Wort Substanz bezeichnete!) dasjenige ist, was über den Menschen und um seiner selbst willen existiert - und nicht einmal um seiner selbst willen, da ja jegliches „willen" die Welt vermenschlicht, sondern schlechthin existiert. Und dieses Ganze sei Gott, dessen 392

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