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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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fession" stand abseits von den Ereignissen, von der „sich entfaltenden4" Idee. Zufällig sind uns seine abgerissenen und ungeordneten „pensees" erhalten geblieben, doch ist bis auf unsere Zeit nicht Pascal, sondern Descartes der Beherrscher der Gemüter geblieben. Descartes war der wahre Repräsentant des einen allgemeinen Geistes, von dem uns Hegel erzählte. Und folglich war - wenn man unter Wahrheit das versteht, was der Prüfung der Jahrhunderte standhält - die Wahrheit bei Descartes. 2. Die moderne Philosophie erkennt, wie ich sagte, keine Voraussetzungen an. Noch mehr fürchtet sie Legenden und Mythen. Wie wir bereits sahen, konnte die Philosophie nie ohne Voraussetzungen auskommen. Wir werden gleich sehen, daß sowohl die Legenden als auch die Mythen für sie ebenso unentbehrlich sind wie die Voraussetzungen. Jedermann weiß, daß nach der in der Bibel enthaltenen Lehre Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde schuf und, nachdem er ihn erschaffen, ihn segnete. Das ist das Alpha und Omega der Bibel, hierin liegt ihre Seele oder, wenn ich mich so ausdrücken darf, es liegt hierin das Wesen der biblischen Philosophie. Doch ist es wahrscheinlich bei weitem nicht jedermann bekannt, daß die hellenische Welt auch ihre Legende und ihren Mythus von der Herkunft des Menschen hatte und daß dieser Mythus fast allen antiken philosophischen Systemen zugrunde liegt und in maskierter Form auch von der neuesten rationalistischen Philosophie im ganzen übernommen wurde. Alles, was Hegel in den oben zitierten Worten vom allgemeinen Geist und vom Individuum sagt, ist lediglich eine dem Geschmack unserer Zeit angepaßte Wiedergabe dieses Mythus. Anaximander erzählt diesen Mythus folgendermaßen: Indem die Einzeldinge in die Welt kamen, d. h. sich eigenwillig aus dem einen gemeinsamen Schoß zum individuellen Dasein losrissen, begingen sie ein großes Verbrechen. Und für dieses große Verbrechen unterliegen sie der größten Strafe - der Vernichtung. „Alle Einzeldinge", d.h. vor allem die lebenden Wesen, und von den lebenden Wesen vor allem selbstverständlich die Menschen. Nicht Gott hat aus freien Stücken, wie die Bibel berichtet, die Menschen erschaffen und sie nach der Erschaffung gesegnet; nicht mit dem Segen Gottes, sondern gegen seinen Willen haben die Menschen eigenmächtig und verbrecherisch sich losgerissen zum Sein, zu dem sie keinerlei Recht hatten. Und 375

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