Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 119)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2823768-2823775-2823779--0866-2824816
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

es nur um der Huren willen, die Betschwestern werden. Wir brauchen sie ebenso, wie wir die Kritik am Pfaffentum des profanen Amtes, die Kritik an der Polizei, brauchen. Im Pfaffentum will das Amt seine Lebenslinie nicht einhalten und sein Lebensgesetz nicht befolgen; es will dann nach dem Gesetze der Kreatur leben, will das Leben aus der Liebe, d. h. aus der Fülle leben und seiig werden, selig als Amt. Dann entartet das Amt, weltlich, und verherrlicht sich zugleich, himmlisch; es verweltlicht, weil es sein Leben unter die Liebe setzen will, es verherrlicht sich, weil es in der Hoffnung sterben will. Dann muß ihm das Geschöpf Feind werden und ihm solches verwehren. In einem Gleichnis sei die Stellung des Amtes zum Leben dargestellt. Die von der Erde aufsteigenden Wasser, die Gebete der Menschen in ihren Nöten zum Himmel emporgesandt, sammelt der Herr des Himmels und sendet sie mit seinem Segen, als seine eigenen Gewässer, wieder herab zur Erde, sie fruchtbar zu machen und ihr ein Leben zu erwecken. Dort fließen die Gewässer zusammen, bilden Brunnen und Seen, Flüsse und Meere und feuchten die trockene Erde. ürde nun die oberste Schicht des Erdreichs überall und ganz undurchlässig sein, so bildete sich bald ein Sumpfland, und anstatt Leben zu wecken, würde das himmlische Nasser das Leben ersticken. Aber das Erdreich läßt die Gewässer in sich einfließen und bildet Schicht um Schicht Wasserbehälter, Grundgewässer in verschiedenen Tiefen, ohne die die Quellgewässer auf der Oberfläche der Erde entweder, in regenloser Zeit, eilig versiegen oder, bei übermäßigem Regen, schnell versumpfen würden. Aus den Grundwassern speisen sich daher die oberen Gewässer zum Tränken der Erdgefilde; deshalb bohren die Menschen sie an, um Brunnen und Quellen zu schaffen, wo solche sich nicht auf natürlichem Wege gebildet haben. Die Grund- 7 c? o wasser sind verschlossen durch die Rinde der Erde; im Dunklen liegen sie, verdeckt vor dem Licht des Tages. Gesegnet der, welcher immer an der Quelle im Tageslicht schöpfen darf! und dem die Quelle nie eingeht und nie vererdet! Aber wir regulieren die Regenmengen nicht, und ohne Erschließung der tieferen Gewässer würden alle Gewächse, die fest wurzeln wollen, um höher wachsen zu können, verdorren : Gerade das am tiefsten verwurzelte Gewächs bedarf am meisten und ständig der Gewässer der Erdtiefe. Die Grundwasser sind unentbehrlich! Zur Deutung des Gleichnisses sei gesagt: Jene in den Tiefen sieh rammelnden Gewässer sind die Wrasser des Amtes. Im hellen Tageslicht liegt das Amt nicht. o c Aber seine Kräfte speisen die sichtbaren Quellen des Lebens, aus denen wir zum Leben schöpfen. Sie speisen sie, insoweit die oberen Gewässer nicht direkt aus den unmittelbaren Himmelsegnungen gesammelt werden. Mit den Bohrungen hinab in die dunklen Tiefen kommen wir so zu den Urgründen des Daseins, zu den l rkräften des Geschöpfes, zu den Urtiefen der Sünde. Das quellende Leben der Erdoberfläche täuscht uns über diese verborgenen Tiefenabgründe hinweg, bis uns immer eines Tages entweder kräftige Stämme vertrocknen und absterben oder weite Ackerkrume versandet und verschlemmt. Die Gewässer des Amtes wohnen in den Räumen des sündennahen, geschöpflichen, gebundenen und bindenden Lrseins selber. 367

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.