Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit einer Paraphrase, Freunde, sei geschlossen: Das Amt entbehrt des heilig-heillosen hellen Tageslichtes, und sein Dasein spielt sich hinter der Lebensbühne ab. Nicht unverschalt liegt es vor Gottes Angesicht. Aber Gott schaut durch die Erdrinden hindurch, wie er die Umhüllungen des Herzens durchdringt. Gott blickt in die Tiefen der Grundwasser hinab. Niemand kann das Amt herausreißen und befreien; es würde an jedem solchen gutgemeinten Versuche sterben oder verderben. Auch kann man kein neues Amt kreiren; nur einmal ist ein neues Amt geworden; zu diesem neuen Amt wird nie wieder ein zweites hinzukommen. Auch kann man nicht das Amt nutzen, wenn man sich vor der Welt seiner schämt. Das Verleugnen des Amtes verstopft die Bohrlöcher, die zu seinen Tiefen hinab gebohrt sind; dann wird die oberirdische Quelle bald spärlich fließen. Schließlich auch kann man es nicht in einem verschlossenen Kästchen mit sich führen, wie in Goethes neuer Melusine der Liebhaber seine Geliebte. Das Amt ist kein Bonbon in Staniolpapier. Das Amt ist die einzige Antwort auf die Sünde. Stranden wir am Amt, so stranden wir an der Sünde, und stranden wir an der Sünde, so stranden wir am Amt. Dies wäre ein letztes Wort über das Amt, wenn nicht noch ein doppeltes Anliegen vorläge, mit dem einerseits das Amt uns anliegt, es nicht seiner eigenen Ungeschöpflichkeit zu überlassen, mit dem andererseits wir uns selber angelegen sein lassen, das Amt in uns zu verkörpern. Was das letztere angeht: Das Amt darf und soll sich selber lehren, da es keine Person ist. Kein Ichwahn wird es betören. Indem es sich lehrt, ist es Amt. Und den Schauspielern auf der Bühne wird es nur lehrend, als Lehramt, sichtbar. Was das erstere angeht: Wir fragen alle, wann wird die Kulisse, die das Amt von der Bühne des Lebens trennt, fallen? Der Kulisse Fall ist unsere gemeinsame Hoffnung. Das ist das Anliegen des Amtes, es nicht für immer der Ungeschöpflichkeit zu überlassen. Es ist ein Anliegen ferner, ja fernster und zugleich naher, ja nächster Zukunft. Und es trifft Euch, meine Freunde, gerade schon jetzt, schon heute - eben dieses Anliegen des Amtes, jenes gleichen Amtes, das uns Gefahr bringt und sich zwischen uns schieben möchte, und wird dadurch auch Euer Anliegen an das Amt, Euer Bedürfnis für das Amt, Euer Ringen um das Amt und Euer Lieben mit dem Amt. DRUCKFEHLERBERICHTIGUNG Im vorigen Heft ißt in dem Beitrag „Der Blick" von Wilhelm Michel zu lesen: Seite 186 Zeile 2 statt „Naturblicks": Naturreiches, „ 190 .. 2 „ „gewürzt": gewürgt. 368