Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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ten Himmelshöhen des Glaubens, aus denen die Gewässer tränkend und segnend herniederströmen, auf daß Leben grüne und Geschöpf blühe. Das Amt stirbt im Glauben; d. h. das Blut des Amtes wird für den Glauben vergossen. Das Blut am Kreuze ist der Grund für den Glauben des Christenmenschen, und das Leidensblut Judas, des Verfolgten, schweißt die zarstreuten Söhne des Alten Bundes immer erneut zum Volke des Glaubens zusammen. Tod des Amtes ist Geburt des gläubigen Lebens. So sind Amt und geschöpfliches Leben nie gleichzeitig. Jeweils hat entweder das Amt oder das Geschöpf einen Vorsprung. Schiebt man auch den Hintergrund des Lebens auf den Vordergrund, so sind die räumlich aufeinandergelegten doch zeitlich nicht gleichlaufend, und was nutzt dann die räumliche Aufeinanderlagerung? oder rückt man den Vordergrund bis in den Hintergrund zurück, so kommt man in eine unklare Zeitlosigkeit hinein und verläuft sich in der Zeit. Bei der Geburt ist das Amt immer eine Stunde weiter in der Zeit als das Leben. Denn das Amt kennt nach seiner Geburt keine Kindheit, kein Werden, keine Erziehung. Es erstarkt nicht aus Kindesglauben zu reifem Liebesleben; nein, es dehnt sich bereits aus Liebe der jenseitigen Hoffnung entgegen und wirkt sich so aus. Aber nun Mächst das Leben, wächst das Geschöpf an ihm, dem Amte, vorbei. Wie oft wechselt im Dasein Führung und Geführtheit, und das Amt zögert und zögert und steigt hernieder zu den Toten und in die Hölle, um der vergangenen Geschlechter willen; als Liebesamt vergißt es niemanden, während das Leben nur das ganz Gegenwärtige lieben kann, und in der Hoffnung lebend, umspannt das Amt die Vergangenheit zur Gegenwart hinzu. Und nicht nur eine Stunde der Weltzeit, nein, eine ganze Weltzeit selber bleibt nun das Amt hinter dem geschöpflichen Leben zurück. Da ärgert sich das Leben über den rück-ständigen Gefährten und hebt bald die Gefährtenschaft auf. Bis schließlich das Amt mit einem einzigen Riesenschritt, von der Hoffnung beflügelt, das Leben einholt, dabei aber die Tür zum Lande der Hoffnung, für das es doch nur gelebt hat, gerade vor der Nase zugeschlagen bekommt. Jesus muß sterben, ehe der Tag eingetreten ist. Und Mose sieht vom Berge Nebo noch das gelobte Land, darf es aber nicht betreten. Das Amt stirbt immer im Diesseits, dafür ist es Amt; es erfährt selber kein ewiges Leben, ihm ist keine Auferstehung verhießen; im himmlischen Jerusalem steht kein Tempel; darum ist in uns, so sagt der Apostel des Amtes, der Tod mächtig, in euch aber das Leben. Und im Schmerz seines unerlösten Sterbens erfährt das Amt noch, daß sein Amten wirklich nicht „umsonst" noch „vergeblich" war. Ihm wird die Tür vor der Nase zugeschlagen, aber es weiß, daß das geschöpfliche Leben noch gerade hineingeschlüpft i«t. „Es ist vollbracht" (sehr schön auch in einer hagadischen Erzählung über den Tod Mose zum Ausdruck gebracht). Das sterbende Amt liegt mit dem Bewußtsein, daß es getan ist, was zu tun war, vor dem Himmelstore, hinter dem es die Erlösten singen und preisen hört. Und die Lebenden . . . dürfen . . . glauben! Und nun kommt die Kritik des Pfaffentums, Aber nun erst. Nicht einen Schritt früher! Sonst schlägt sie den, der kritisiert. Wir brauchen diese Kritik, und sei 366