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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 112)
Language
German
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aber sie verwandelte ihn mit jener Zwiespältigkeit und Inkonsequenz, welche unsere ganze Zeit charakterisiert, in ein großes Als-Ob. Ihren Todesstoß erhielt nach Whiteheads Überzeugung die mechanistisch-materialistische Weltanschauung durch Einstein. Denn das wesentliche Kennzeichen der mechanischen Theorien ist, daß die Erscheinungen durch Bewegungen kleinster Teile, also durch Ortsveränderung erklärt werden. Ein Atom, das sich zur Zeit t in A befindet, kann in seiner Identität festgehalten und zur Zeit tx in Ax wiedererkannt werden. Das ist das Wesen der mechanischen Erklärung. Einstein hat dieser Erklärung den Boden entzogen, indem er die Eindeutigkeit des Begriffs „zur Zeit t44 zerschlug. Es gibt nicht mehr die einheitliche Weltuhr, welche überall dieselbe Stunde schlägt. Die Frage, was die Zeitdifferenz zwischen zwei Ereignissen an verschiedenen Orten bedeute, wird von verschiedenen Systemen aus verschieden beantwortet werden. Raum und Zeit sind bloße Abstraktionen, die konkrete Tatsache ist das „Ereignis" (event). Das „Ereignis44 ist das Zentrum der Whiteheadschen Philosophie. Er bemüht sich zu zeigen, daß alle Faktoren, mit denen die mechanistisch-materialistische Physik operierte, bloße Abstraktionen sind. Wir sind freilich durch Gewohnheit und Sprache so gedrillt, daß wir die Ereignisse sofort in drei Faktoren, Zeit, Raum und Materie auflösen. Das heißt: wir wenden sofort auf sie die Begriffe der materialistischen Naturtheorien an. Wohl erfassen wir in der Natur das Ereignis als Einheit und alle physikalischen Begebenheiten sind Zusammentreffen von Ereignissen, aber die Sprache hat uns gewöhnt zu glauben, ein ..Teilchen44 könnte seinen „Ort44 in der „Zeit44 ändern, während die Wirklichkeit ein Ereignis ist, das nicht im Raum und in der Zeit stattfindet, sondern dem die Zeit und der Raum als abstrakte Elemente innewohnen. Whiteheads Bestreben geht darauf hin, die Naturwissenschaft von der Abstraktion zu befreien und der Konkretheit zu nähern, Begriffe zu bilden, welche „der erfüllten Konkretheit unserer anschaulichen Erfahrung näherstehen44. Der analysierenden, von Abstraktionen ausgehenden mechanischen Physik stellt Whitehead das Ideal einer organischen Physik entgegen. Wie die erstere auf Descartes, müßte letztere auf Leibniz zurückgehen, welcher die Elemente der Welt als organisierte Monaden faßte. Whitehead erinnert auch an die Bemühungen der deutschen idealistischen Philosophen des 19. Jahrhunderts, ein Weltbild dieser Art der quantitativen Physik entgegenzustellen. Aber deren Bestrebungen blieben ohne Wirkung auf den Verlauf der Wissenschaft. Heute müßte die Physik zu einem derartigen Wissenschaftsideal zurückkehren, welches der Qualität in der Welt aber auch zugleich unseren ethischen und ästhetischen Erfahrungen Rechnung trüge. Die mechanische Physik beseitigt die sekundären Qualitäten der Welt, Farbe, Ton. Whitehead bemüht sich, sie wieder in ihr Recht einzusetzen. Er bestreitet die Berechtigung der Argumente für die Irrigkeit der sogenannten äußeren Wahrnehmung. Man sagt, Farben seien Atherschwingungen, welche auf den Sehnerven auftreffen. Man behandelt da die ganze Welt nach subjektivistischen Prinzipien, aber die Nerven und das Gehirn werden in ihrer Realität belassen. Kurz: man vergleicht 300

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