Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir sahen, daß sich mit jenem ventralen Sinnesorgan der Hypophyse schon gleichzeitig die dorsalen Zirbel- und Paraphysendrüsen voll anlegen. Dann erst bildet sich der eigentliche Gehirnschädel aus, und zwar sowohl embryonal, wie lebensgeschichtlich. Mit ihm zugleich entwickelten sich die Organe des Gehörs und Gesichts, ebenso des Geschmacks und Geruchs, wie sie uns bekannt sind. Aber gerade diese späten Organe und ihre Tätigkeit sind uns allein verständlich, da wir ihrer Wirkung bewußt teilhaftig sind, und - was nun auf einmal besonders w ichtig wird und was zu Anfang gesagt wurde - ihre Qualitäten können von uns abstrakt ausgedrückt werden. Nur für die Qualität des Geruchs können wir das nicht. Das Geruchs- oder Nasenorgan aber ist allein noch mit einem solchen Urorgan in Verbindung gewesen, mit der Hvpophyse. Gerade das Geruchs- oder Nasenorgan, das wir bei manchen Tieren und spurenweise auch beim Menschen, wie oben gezeigt, noch mit der hellseherischen Witterung" begabt finden, ist also ursprünglich mit einem Organ jener Ursinnessphäre in nächster Verbindung gewesen. Das Altere und mit der Ursinnessphäre Verbundene hatte somit hellseherische Qualität. So liegt es nahe, den letzten Schritt zu tun und auch in den anderen ursprünglichen Organen vorgroßhirnlicher Zeit Sinnesorgane mit entsprechender Begabung und Funktion zu sehen. Wir werden somit von selbst auf die Vermutung geführt, jene anderen Organe mögen einzeln und in ihrer Gesamtheit einer hellsichtigen, hellhörigen, fernwitternden und fernwirkenden Tätigkeit gedient haben, andere Qualitäten der l mwelt aufgenommen, andere Arten der Leistung vollbracht haben. Ihre Natur war also etwas wesenhaft anderes als die unserer späteren und mit der Großhirnsphäre entstandenen Sinnesorgane, deren wir teilhaftig geworden sind. Wir haben somit in der embryonalen Uranlage des Gesamtgehirns, wie auch in fossilen Formen eine periphere, in der Umwelt sich betätigende Sinnessphäre, die vor der Großhirnzeit lebendig mit der Außenwelt in Verbindung stand, später rückgebildet wurde, um nur noch Sekrete auszuscheiden und damit nun anderen Körpersphären und unbewußten Körpertätigkeiten zu dienen (Sexualleben, Körperwachstum), die ja auch ganz oder allergrößtenteils sich der Kontrolle des Intellektes entziehen und im Instinktiven und Unbewußten liegen. Intellekt und Reflexion, was im Großhirn sitzt, ist nun jenes Verhalten oder Aufnehmen der Umwelt, dem gerade alle jene Eigenschaften fehlen,