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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 98)
Language
German
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seite, daß im Geruchsorgan noch eine ganz anders geartete Perzeptionsfähigkeit mit enthalten ist, die beispielsweise beim Hund eine erhöhte Bedeutung hat, Sie äußert sich, wie auch bei manchen anderen Tieren, als Wittern, und dies zuweilen auf so große räumliche Entfernung, daß man sich fragt, ob hier überhaupt noch eine Geruchsempfindung schlechthin oder doch eine ganz andere Art Sinnesfunktion vorliegt? Es ist auch bekannt, daß einzelne Menschen aus einer Art „Geruchssinn46 gegen andere Menschen ein Wittern haben, das schon sehr an hellseherisches Empfinden gemahnt; und darauf gehen wohl auch bestimmte, weiter nicht logisch begründbare unmittelbare Sympathien und Antipathien zwischen Personen oder Rassen zurück, was somit ein Urteil und Erlebnis einschließt, das zwar empirisch ist, jedoch nicht denkerisch bewußt, und in einem instinktiven Herüber- und Hinüberspielen der Sinne selbst begründet liegt. Mag man die soeben genannten Beispiele immer noch zur Not aus einer wenn auch feinen Geruchstätigkeit ableiten, so wird man dies doch nicht mehr können bei dem unerklärlichen merkwürdigen Sinneszustand des Fernwitterns beim Hund, der für ein unbefangenes und nicht durch w issenschaftliches Begrifisküttern verdorbenes Empfinden durchaus etwas Unbewußt-Hellseherisches hat: die Tatsache, daß ein solches Tier etwa nach tagelanger Bahnfahrt im verschlossenen Kasten, losgelassen, mit ein paar JN asenzügen die Witterung nach der Heimat aufnimmt und nach Tagen erschöpft dort eintrifft, auf äußerlich ihm unbekannten Wegen. Daß hier nur Geruch im gewöhnlichen Sinn, wenn auch noch so sehr „verfeinert", vorliegt, wird man wohl nicht behaupten dürfen, ebensowenig wie bei der Brieftaube, die Flüge zum erstenmal macht, ohne den W eg zu kennen. Man spricht dann von Orts- oder Richtungssinn; aber es ist mehr als das; es ist typisches Fernsehen. Hat nun der Geruch auf solche W eise unter den übrigen Sinnesorganen eine eigentümliche Stellung, die es uns nicht einmal ermöglicht, in abstrakter Form seine Wirkung zu bezeichnen, und ist er so unzweifelhaft verknüpft mit einer nicht unmittelbar uns verständlichen Sinnesfähigkeit, so bekommt diese Ausnahmestellung noch ihre weitere Bedeutung, wenn man die Entwicklung des Gehirns und der einzelnen Sinnesorgane vergleichend betrachtet. Es gibt nämlich Sinnesorgane, die sich embryonal schon anlegen, 346

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