Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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fang verleugnen und verbergen. Alle Völker, die Gott erkannten, die ihn an sich fingen, erkannten ihn in diesem Anfang als den Schöpfer des Himmels und der Erde, als Erlöser erst in der Fülle der Zeiten. Nur einzelne Menschen, wie die Marzioniten, wollen ihn von vornherein als Erlöser erkannt haben, so zwar, daß sie die Schöpfung der Welt einem anderen Wesen zuschrieben. Fänger kann Gott selber sein; seine Offenbarung das ><etz, das er zum Fange auswarf. Wer an Gott gefangen ist, schreibt und liest alles Gesehehen so wie Moses und Johannes. Als ich an Gott gefangen wurde, war mir nur das Wort Gott gekommen. Mein Vater hatte es ausgesprochen. Es war, wie ich noch genau weiß, am Feierabend, unter den Pflaumenbäumen unseres Obstgartens, an der Nordseite unseres Hauses, an einem Sommerabend; weiße Wolken gingen über den Himmel; der Himmel war noch nicht dunkel; ich sehe noch seine abendliche Bläue. Ich wreiß nun nicht mehr genau, ob mir der Vater an diesem Abend ausdrücklich gesagt hat, daß Gott diesen Himmel und die ganze schöne Erde um unser Haus herum geschaffen habe, erinnere mich aber deutlich, daß sich dies mit dem Worte Gott verband und daß eine Liebe ganz sonderer Art in meinem Herzen erwachte. Da stand in Knospe, was später, in meinem ersten Schuljahr, unter den Worten des Lehrers Knebel voll erblühte. Es war auch in diesem Anfang das Wort, dem äußeren Klange nach nur ein Wort, aber aus meiner Liebe erkannte ich, daß es kein leeres Wort sein könnte. Nicht wie ein Märchenname war der Name Gottes genannt worden. Gott war das Wort. Und alles ist mir durch dieses Wort geschaffen worden. Was vordem nur so dastand, das erhielt durch dieses Wort die Ehre des Geschaffenseins, des Werkes göttlicher Hand. Kein einziger Anfang vielleicht ist ein einfacher Akt, wie wir uns, beinahe gedankenlos, vorstellen, wofern wir uns überhaupt unter Anfang etwas anderes denken können als die erste Sekunde der im Anfang entstehenden Zeit. Wie die Zelle keineswegs einfach ist, aus der wir das Leben entstehen wissen. Sondern unerforschbarer Wunder voll. Das Leben erzählt manches von den Wundern der ersten Zelle, das Werk manches von den Wundern des Anfangs. In Gerichtssälen ist manchmal ein Streit, wer von zwei Streitenden angefangen habe. Bei Prozessionen und Aufzügen streitet man sich manchmal, wer den Anfang bilden solle. Bei gewagten Unternehmungen der 20.i