Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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ginn und beim Ende eines Werkes den Namen Gottes anrufen soll. Es ist uns offenbart, daß Gott das Alpha und das Omega aller Dinge auf Erden und im Himmel ist, der Anfang und das Ende. Basilius der Große sagt in seinem „Sechstagewerk", der Anfang sei keine Zeit. Was ist er also? Basilius müht sich in einigen Sätzen zu beweisen, daß der Anfang keine Zeit sei; dann schweigt er, oder vielmehr er sagt: „Soviel nun über den Anfang, um weniges von vielem zu sagen." Daß er eigentlich gar nichts gesagt hatte, trotzdem der Worte mehrere waren, kam ihm gar nicht bei. Aber er mußte bezeugen, daß er an einer Tiefe und einem Reichtum vorübergegangen sei. Unwillkürlich strebt der Menschengeist danach, einen Brief oder ein Buch oder eine Rede mit etwas Tiefem und Reichem zu beginnen. Es muß auch meistens ein wenig geheimnisv oll sein. Leser und Hörer haben das gern. Auch die am ehrgeizigsten nach Originalität strebenden Schriftsteller verschmähen den typischen Anfang nicht: „Goethe hat einmal gesagt.44 Worte großer Männer sind wirklich wie Leimruten, an denen man neue Gedanken fangen kann. Sie eignen sich zum An-fang. Gern wird am Anfang eine Vielheit oder Allgemeinheit hingestellt. Von hier aus erjagt sich der Gedanke das Einzelne und Besondere. Einen Aufsatz über den deutschen Wald wird kaum einer beginnen mit der Schilderung eines einzelnen Nadelbaumes. Einen Aufsatz über den Kastanienbaum werden aber viele beginnen:,,Unter den zahlreichen Bäumen" und so weiter. Ganz merkwürdig ist die Neigung des Menschengeistes, mit eirgendeiner Zeitangabe zu beginnen. Es brauchen nicht gerade die vielen Predigtanfänge zu sein, in denen es heißt: „Das heutige Sonntagsevangelium . . oder - so fing eine berühmte Predigt des Breslauer Bischofs Förster an -: „Pfingsten ist worden.4i Jeder Anfang schallt Zeit und erinnert darum an Zeit. Die märchenerzählende Mutter beginnt: „Es war einmal", nicht nur deshalb, weil dies zum Märchenton paßt, sondern weil es zu den Funktionen des Anfangs gehört, die Zeit zu bestimmen. Während ich dies schreibe, ist es mir, als wandelte ich forschend um zwei uralte Heiligtümer Gottes auf der Erde und hörte Glockengeläut aus ihren Türmen. Horche ich genauer auf, so höre ich die \^orte: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde", und dann die Worte: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war 291