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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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im Ursprung ihre Werke mit solcher Inbrunst, daß sie währenddes kein Ohr mehr hatten für irgend etwas anderes? Daß sie während des Werkes auf nichts hörten und nichts anderem gehörten? Wenn die Wortschöpfungen mehr sind als rein willkürliche - ach auch dieses Wort verrät die Kürung eines Willens als rein zufällige Klangbildungen - die Sprache selbst läßt kaum zu, daß man etwas so ganz Ungläubiges sage! so enthüllen sie auf einmal Wunderbilder der Urgeschichte. Als ich längere Zeit auf das Wort Aufhören gehört hatte, klang wieder das Wort Anfangen in meine Seele. „Also," so mußte ich denken, „als das Wort Anfang gebildet wurde, bezeichnete es etwas so Starkes, daß es den Menschen ganz in das Werk hineinriß und daß der Mensch erst, wenn das Werk beendet war, wieder auf-hören konnte." Vielleicht aber lagen andere Erfahrungen vor. Wenn ein Jäger einen Fang tut, so ist noch kein vollendeter Vorgang da. Es gehört dazu das Mahl, das er sich aus seinem Fange bereitet. Erst wenn er dieses Mahl aufgezehrt hat, ist der Vorgang beendet, also wenn er es völlig in sich hinein gezehrt hat. So kann der Mensch etwas völlig in sich hinein hören. Und wenn mein Großvater bei seiner Schnitzerei kein Ohr mehr hatte für das, was in seiner Umgebung vor sich ging, so hatte er sein Ohr offenbar ganz in seine Schnitzerei hineinversenkt. Jeder echte Bildschnitzer kennt dies. Er braucht nicht etwa bloß seinen Gesichtssinn und seinen Tastsinn zum Schnitzen; er horcht auch in das Holz hinein, fast ebenso notwendig und stark, wie ein Tondichter in seine Klänge hineinhorcht, bis er all die Töne, deren Führer er auf- oder an sich gefangen hat, auf-gehört, in sich hineingehört hat. Noch lange bevor ich dies erkannte, zeigte ich einem jungen Freunde das Haus, das ich mir im vorigen Jahre erbaut habe, mit den Worten: „Das ist die Sprache, die der Schöpfer zu mir in diesem Jahre gesprochen." Und während der ganzen Bauzeit war es mir, als wäre es eine dauernde Unterredung mit Gott. Da ich selbst erfahren habe, wie große Gewalt der Anfang über ein ganzes Werk hat und wie aus dem Anfange oft das ganze Werk herauswächst, nicht selten weit über des Menschen Plan hinaus, nicht selten in ganz anderer Richtung, so habe ich Ehrfurcht vor jeglichem Anfang wie vor einem rätselhaften Heiligtum Gottes. Er muß etwas aus der Nähe Gottes sein, und der alte deutsche Spruch: „Mit Gott fang an, mit Gott hör auf!" muß einen noch tieferen Sinn haben, als daß man beim Be- 290

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