Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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„Schreibe!44 Und alles bot sich an, alles bewarb sich, alles wollte mir Tür und Tor sein, damit ich einen Eingang fände. Ich wandelte lange auf dem schmalen Wege, der auf hohem Rande den Erlengrund begleitet. Es war mir, als ginge ich am Ufer eines breiten Stroms und könnte nicht hinüber. Plötzlich aber wandte ich mich wieder meinem Hause zu. Eines meiner Lieblingsbücher, das „Sechstagewerk44 des hl. Basilius rief mich. Ich schlug es hastig auf, und siehe, ich fand die Honülie über das WortJra Anfang44. Tagelang klang nun dieses Wort in meiner Seele. Abertausend Male hatte ich es früher schon gehört, ohne auf es zu hören; hatte es ausgesprochen, ohne es sich aussprechen zu lassen. Jetzt hatte es mich gefangen und ließ mich nicht mehr los. Es fragte und antwortete wie ein Kind, das neben einem einhergeht; es erzählte wie ein Greis nach langen, langen Lebensjahren; immer wieder wollte es mich in die Tage seiner Kindheit zurückführen, immer wieder an die vielen Stationen des Lebens und der Geschichte, für die es zum Namen geworden ist. „Daß ich irgendein Fangen bin,44 sagte es mir, „muß dir doch klar sein, da ich Anfang heiße. Ebenso, daß ich von irgendwem an irgend etwas herangefangen werde oder daß irgendwer von irgendwem in mir herangefangen wird.44 „Ja,64 antwortete ich, „das muß ich aus Erfahrung bestätigen. Ich sitze schon seit Tagen wie ein Jäger auf der Lauer, spähend, wo ich einen Anfang machen könnte.44 „Da vergiß nur nicht, wenn du über mich selber einmal nachdenkst, daß ich irgendein Fang bin. Nicht nur der deutsche, sondern auch der lateinische Sprachgeist - von anderen Sprachen verstehst du zu wenig hat mich als Fang erkannt, in dem lateinischen Worte Prineipium findest du das Capere.44 Wie dies nun einmal ist: das Wort Anfangen lockte sogleich ein anderes Wort in meine Seele, das Wort Aufhören. Was ist das für ein Hören, dieses Aufhören? Wer immer es auch sei, der es zum ersten Male gebraucht hat, er muß am Ende eines Werkes Aufgehört haben, so zwar wie er während des Werkes nicht aufhörte. Ich erinnerte mich eines Wortes meiner Großmutter. Wenn mein Großvater, so sagte sie, an seinen Krippenfiguren schnitzte, so hörte und sah er nichts mehr. Bei ihm war das Ende solchen Lieblingswerkes ein wirkliches Aufhören; er hörte in Wirklichkeit wieder auf das, was zu ihm gesprochen wurde. Taten die Menschen 289