Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Hilfe des Datums leichter in die Akten oder in eine Briefsammlung geordnet werden könnte, oder auch dies, daß vielleicht doch das oder jenes zu schreiben ist, was vom Datum her eine genauere Zeitbestimmung empfängt. Immerhin sind auch solche Briefe und Niederschriften unter den Segen des Ortes und der Zeit gestellt; nur der Mensch bleibt ungesegnet. Wer keine Not hat, hat keinen Segen. Ich habe auch sonst schon beobachtet, wie schwer und umständlich der Weg zu dem Reiche ist, in dem das Wort lebt. Voll unwillkürlicher Ehrfurcht ist der Mensch, wenn er von dort etwas holen soll. Ich denke noch oft an meine Predigten. Wohl ist da die schüchterne, umständliche Annäherung in allen Einzelheiten liturgisch oder wenigstens durch örtlichen Brauch geregelt, aber die ursprüngliche Bangigkeit und Umständlichkeit leuchtet doch durch die Ordnung. Erst das Kreuzzeichen unter Anrufung des dreieinigen Namens wie ein fester Pfahl, an dem sich der Prediger beim ersten Schritt über die Klüfte festhalten kann; dann der Vorspruch, irgendein Wort aus der Bibel oder den hl. Kirchenvätern oder der Liturgie; solch ein Wort hat etwas Solides; es ist herausgewachsen aus dem Reich des Ehrfurchtgebietenden wie ein starker Ast, der sich als Brücke zur Erde herüberlegt; man kann seinen Fuß darauf setzen; dann die Lesungen aus Apostelbriefen und Evangelien gleich Schutzhütten, in denen man erst ordentlich Atem schöpfen kann-am liebsten verbärge man sich dort und wünschte, die fordernde Zuhörerschaft wäre mit dem Vordringen bis dahin zufrieden. An manchen Orten werden hier die „Vermeidungen66 und „Aufgebote66 eingefügt, die wie eine Rückkehr zur Erde sind. Aber es muß sein! Es muß der Sprung in jenes Reich des Fließenden und Wehenden getan werden; es muß der Anfang gewagt werden! Der Prediger atmet tief, zupft vielleicht noch einmal an den Ärmeln seines Rochetts; es ist fast regelmäßig notwendig, daß noch einmal das Taschentuch in Tätigkeit tritt. Dann aber - nein, es geht immer noch nicht! Es ist Regel, daß noch einmal der feierliche Vorspruch gesagt wird. Und dann die Anrede. Es ist möglich, daß mir wieder gesagt wird, ich wolle die Prediger lächerlich machen. Es ist sogar möglich, daß einer, der dies gelesen, wenn er eine Predigt anhört und dies alles in Wirklichkeit sieht, tatsächlich eine Versuchung zum Lachen bekommt. Ich antworte darauf: „Laßt lachen, wer lachen will!66 Uns kommt es darauf an, jenen geheimnis- 284