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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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nicht ganz eintrocknen, daß die Kräfte des Ursprungs niemals ihr völlig versiegen möchten. Aber wir dachten auch daran schon, daß es eigentlich nur ein Punkt in der Zeit ist, in dem diese Quelle voll strömt. Schon im Kindeszustand, des Menschen wie der Menschheit, erhebt sich die Sünde, die Sonderung dessen, was Gott zusammenfügte. Sie haucht ihren tödlichen Atem hinein in die Einheit, den Einklang des Menschenwesens. Sie zersondert die Tiefenskala seiner Kräfte, faßt die der Oberfläche nächsten in einem Griff zusammen und nennt sie, den Teil, das Ich. So schafft sie das enge, das Du-fremde, Gott-fremde, selbstische Ich. Wo die Glocken zusammenklangen im reichen Akkord der geeinten Gemeinkraft, da schreckt nun der schrille Ton der Ichsucht. So tut die Sünde ihr Werk der Zerstörung zuerst an der Grundkraft im Doppelwesen der Kindeseinfalt: der Einheit. Länger trotzt ihr die zweite Kraft, die Unmittelbarkeit, bewahrt noch eine Weile durch den Panzer der Weltunwissenheit, unter dessen Schutz wir sie Naivität nennen. Endlieh aber erhegt die Naivität dem Wissen um die Welt. Und nun kann die Sünde sich voll auswirken, kann sie die Kindeseinfalt zerstören auch in ihrem zweiten Element: der Unmittelbarkeit. Im Stande der Natur begann sie ihr Werk, im Stande der Kultur und mit deren Hilfe denkt sie es zu vollenden. Am Ende dieser Wegestrecke des Menschenlebens aber steht, wo sie ganz durchmessen wurde, der weltkluge Mensch. Seine Klugheit erhebt sich am Grabe der Einfalt. Doch blieb auch dort, wo er die Strecke zu Ende ging, dem Menschengeiste eines, das mehr war als Klugheit: die Kraft des Erinnerns. Eines Tages nämlich schlägt vielleicht doch die Stunde, da die Welt samt ihrer Klugheit ihm schal wird. Es ist die Geburtsstunde eines Heimwehes, das den Anfang bilden kann eines neuen Wegeabschnitts. Heimweh ist Erinnern und Sehnsucht. Die Seele streckt sich hinüber, sich zurück nach dem Tage der Kindheit und der Kindeseinfalt. Die Menschheit träumt vom Paradies, der Mensch vom Vaterhaus. Aber es soll nicht ein Träumen bleiben, und es bleibt nicht immer ein Träumen. Der Wille bemächtigt sich des Traumbildes und schafft es um zum Ideal. Wille ist wesenhaft Manneswille, auch wo er im Weibe wohnt. Manneswille ringt um das verlorene Paradies, um die geschwundene Einfalt. Aber nur im Gleichnis kann er um sie ringen. Was verloren ging, war die ursprunghafte, gottgeschaffene Einheit und Unmittelbarkeit des Lebensaktes; um was 276

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