Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Menschenbildung, die nicht Fata morgana ist, wurzelt daher in der „Wohnstube". Das ist ihre Einfachheit. Was uns heute nottut, ist „ein erhabener Rückschritt zur . . . Einfachheit der Wohnstubenbildung'4 in ihrer Lebensnähe (10, 567). Das ist Manneseinfalt in der Kraft ihrer Frage nach der großen, klaren, eindeutigen Linie im Menschenleben, nach dem Weg. Das ist sie, wie sie fremd stehen muß in der Zerfahrenheit des ungeordneten Bildungstreibens dieser Zeit. 5. Kindeseinfalt und Manneseinfalt Manneseinfalt vollendet sich in Willenhaftigkeil und illensklarheit. Sie ist in beidem die Gegenkraft zur Kindeseinfalt. Sie i>t es am sichtbarsten darin, daß sie den Preis eines Ringens bildet, in dem der Mensch in der Kraft des dem Leben zugekehrten Gedankens von einer Klarheit zur andern, von Einfachheit zu Einfachheit vordringt. Kindeseinfalt schien uns davon das Gegenteil. Und doch erschien Manneseinfalt uns als Gleichnis der Kindeseinfalt. Manneswille verlangte nach diesem Gleichnis, weil ihn für das Ringen seiner Kraft nach einem w ürdigen, dem würdigsten Ziele verlangte. Wir wollten das Kind, wollten es ganz, aber wir wollten auch den Mann, wollten auch ihn ganz. So überantworteten wir ihm als Preis des Ringens die Manneseinfalt, daß Kinde^einfalt Geschenk und Gnade bleiben könne. Die Manneseinfalt aber konnte uns dabei Gleichnis der Kindeseinfalt sein, weil wir in der Tiefe beide dennoch verbunden sahen, geeint in der Kraft der Ordnung, hier göttlichverborgener, dort menschlich-offenbarer. So schlingt sieh ein geheimnisvolles Band zwischen Tiefe und Klarheit, Mystik und Ethik. So behalten beide ihr Recht und ihre Größe nicht gegeneinander, sondern miteinander O O 7 und füreinander. Wir wollen darum ihr Verhältnis zueinander noch ins Auge fassen, indem wir den Weg beider im Menschenleben uns nun noch zu ahnendem Verstehen zu bringen suchen. Allein tritt Kindeseinfalt ihren Weg an in Einheit und Unmittelbarkeit, Ganzheit und Naivität. Wir sehen sie nirgends in ihrer Reinheit, aber was wir von ihr sehen, am reinsten im Kinde, ist Paradiesesrest. Das ist die vom Denken des Alters noch allzuwenig erkannte Mission des Kindes: in die Dürre der Verständigkeit und der Weitklugheit täglich neu Paradiesesquellen rieseln zu lassen, daß der Menschheit Wurzeln