Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2823768-2823775-2823779--0752-2824702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

immer geöffnet sein, es schließt in sich die selbstverständliche Bereitschaft, zusammenzuschwingen mit der Regung des Du-Bewußtseins, Du- Willens. Einfalt setzt das Menschenwesen „durchgreifend" in Bewegung, vom Denken bis zum Fühlen und Wollen in Lust und Leid, Liebe und Haß. Es war so das Denken der Einfalt, das in dem frohen Willkommen jenes Bauernkindes sich aussprach. So entspringt die Verbundenheit mit dem Mitmenschen, die wir in ihrer Verklärung Liebe nennen, letzten Grundes der Ganzheit des Menschenwesens, der Einfalt. Sie gehört uranfänglich mit hinein in diese Ganzheit. „Wir sind alle, wenn die Einheit unserer Natur zerstört . . . ist, ein schwaches, anmaßliches Geschlecht, gegen uns sowohl als gegen unsere Brüder" (10, 202). Von hier geht jene kindliche Offenheit und Arglosigkeit aus, der wir mit Vorliebe den Ehrennamen der Einfalt beilegen. Von hier dann allerdings auch jene weltfremde und allzu vertrauende Arglosigkeit, die diesem Namen zu seinem verächtlichen Nebensinn verholfen hat. Aber es führt doch eine klare Grenze hindurch zwischen der Einfalt des in sich geeinten, harmonischen Menschen und der Einfalt des Toren. Jene schließt Denken und Fühlen in einer starken Einheit zusammen, diese steht ebenso einseitig im Fühlen, wie der nur Weltkluge einseitig im Denken steht. Seine Einseitigkeit in bloßer Weltunklugheit ist nicht Einfalt in dem umfassenden Ursinne des Wortes, der uns hier allein beschäftigt. Einfalt im l rsinne meint die reiche, volle Ganzheit des Menschenwesens in der ursprunghaften Einheit aller seiner Kräfte. Die wohltuende Einfalt jenes Landkindes in der Stadt zeigte sich, außer in solcher Einheit, auch in der natürlichen Unmittelbarkeit seines Verhaltens. Ursprunghafte Einheit des Wesens schließt Unmittelbarkeit bereits in sich. Alle Einheit der Kräfte kann ja nur ruhen auf deren Einhelligkeit, auf einer im Akte der Schöpfung ihnen eingegründeten Ordnung. Es sind ja auch in Wahrheit nicht viele, es ist ja nur eine einzige „Gemeinkraft" in mannigfaltiger Wirkungsweise. In ihr waltet notwendig die Einhelligkeit des in sich selbst geordneten (ranzen. Einhelligkeit aber hat auf den Anruf der Außenwelt nur Eine Antwort. Es bedarf nur der Frage, so ist die Antwort da. Die Frage bedeutet nur ihre Auslösung, so wie in der Natur der Stoß die Bewegung notwendig und eindeutig auslöst. Es bedarf keines Überganges von der Frage zur Antwort, es ist zwischen ihnen keine Hemmung zu überwinden. Keine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.