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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sten, was wir Einfalt nennen. Einfalt ist so das Gegenteil aller Vereinzelung der Elemente, ist ihr ursprunghaftes Zusammen, ihr In-eines-gefaltet-sein. Alle reale Zertrennung des Menschenwesens zerstört die Einfalt: alles „reine" Denken, das nicht nur zu bestimmtem Zweck für bestimmte Zeit sich löst von den andern Kräften der Seele, dessen Reinheit nicht Methode, sondern Selbstzweck ist. Alle „Einseitigkeit" des bloßen Verstandes tötet die Einfalt, die ursprunghafte Einheit des Menschenwesens in sich selbst. So wie ebenso alles bloße Fühlen, bloße Wollen oder wie wir die abgelöste Einzelkraft sonst benennen wollen, die Einfalt, die in Ganzheit ruht, zerstören müßte. Das ursprunghaft lebendige Menschenwesen kennt nicht die abgetrennte Einzelkraft, es kennt nicht einmal eine Summe von Einzelkräften, es kennt nur eine einzige „Gemeinkraft", die in verschiedener Weise sich zu entfalten mächtig ist. Es liebt und lebt „von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen Kräften". „Bis Sie sich finden und erkennen, der Mensch sei nur eine einfache Kraft, die aufs mannigfaltigste im Individuum sich gestaltet" (Süvern an die Eleven in IfFerten). So wie das Licht der Sonne nicht steht im auseinandergelegten Spektrum, sondern im zusammengefaßten, in der Kraft des Strahles, wie er elementar aus seiner Quelle bricht. Das ist der mächtige Sinn des „Elementarischen" in der Lehre des großen Menschenfreundes und Menschendeuters. Es meint nicht das Element der Zerlegung, sondern dessen gerades Gegenteil, die Einheit des unzerlegten Ganzen in der Ursprünglichkeit des Anfanges. Chemie erweist uns Sauerstoff und Stickstoff als die Elemente der Luft, aber wer früge nach Sauerstoff und Stickstoff, wenn diese Luft mit „elementarer" Gewalt über die Erde braust! Einfalt ist die elementarische Einheit des Menschenwesens. Wir machen uns den Sinn dieser Einheit und Ganzheit noch einmal bewußt an einem in ihr befaßten, besonders gewichtigen Teilsinne. Zur Einfalt des Denkens gehört, wie wir sahen, daß es mit den andern Kräften des Menschenwesens in der Einheit gegenseitiger Durchdringung steht. Unter ihnen aber gebührt eine besondere Stelle dem Du-Bewußtsein als der ursprünglichen Verbundenheit mit dem Mitmenschen, dem „Nächsten". Vom Ich ist das Du ja nicht zu trennen, mit ihm die ganze Fülle des Anspruches, den es bedeutet. Denken in Einfalt wird diesem iVnspruch 252

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