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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 125

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 125)
Language
German
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damit eine Bestätigung und gewissermaßen Legitimation verschaffen, auf Grund welchen Teilauftrags er selbst nun eigentlich in seiner Lebensaufgabe stünde. Er konnte sich die Gewißheit verschaffen, kraft welcher anfänglichen Stoßkraft er selbst seinen Auftrag in diesem Leben zu vollbringen habe. So war denn die humoristisch-groteske Darstellung der „europäischen Völkerfamilie46 auf unserem akademischen Schlußfest von w irklich bezeichnender Eindrücklichkeit. Anschließend hieran muß noch einiges über die Struktur eines solchen Akademie\ ersucht gesagt werden. Das Entscheidende war und wird auch immer bei einer künftigen Akademie sein, daß in selbständiger Lebensstellung befindliche Männer als Kerntrupp der Akademie für längere Zeit zusammenkommen und sich in Leben und Arbeit ineinander einfügen, um in streng geregelter Form geistige Arbeit zu leisten. Es wird also in solchem gemeinsam durchlebten Zeitteil darauf ankommen, daß alle, auch soweit sie schon zu Jahren und Ansehen gekommen sind, und jede Minute ihrer Arbeitszeit als wertvoll anzusehen gewohnt sind, daß alle dies einseitig gespannte Lebenstempo für diesen gemeinsam zu gestaltenden Zeitteil in gewissem Sinne zum Opfer briugen. Ohue dies ist eine Akademie m dem getorderten Sinn unmöglich. Gerade an unserem ersten Versuch konnte man sehen, wie ungeheuer schwierig gerade dieses Zeitopfer ist. Bei den verschiedensten Gelegenheiten, wo die gemeinsame Zeitgestaltung brüchig zu werden drohte, versuchten stets Einzelne, und gerade die aktivsten Geister, auszubrechen. Das heißt, sie sahen es in solchem Augenblick schon als unfruchtbar und völlig hoffnungslos an, weiter mitzumachen. Das Opfer an Zeit schien ihnen plötzlich zu groß. Hatten sie sich doch jeder aus seiner Arbeit mit größter Mühe freigemacht, vielleicht ein ganzes Jahr lang schon alles auf diese vier Wochen hin sorgfältig vorbereitet, Vertreter bestellt usw. End nun glaubten sie plötzlich erkennen zu müssen, daß der Versuch am Ende doch negativ verlaufen w ürde. Manchesmal erwog da einer, mittendrin abzureisen. Daß er es dann im letzten Augenblick doch immer unterließ und somit dann seine Zeit doch in die gemeinsame Wagsehale warf, ließ dann zuletzt die Akat? o 1 demie gelingen. Nur dadurch wurde ja jene „Vorwegnähme küaffiger Lebens- und Yrbeitsordnung" in diesem Kreis möglich. In diesem Zusammenhang war es weiterhin von struktureller Bedeutung, daß der engere Kreis des 30—40jährigen Kerntrupps „umstanden" war von einem b>ekerer zusammengefügten Kreis der 20-30jährigen Jüngeren. Wo das nicht i^t od r nieht -em kann, wird es nie zu einer gemeinsamen Zeitgestaltung kommen können, sondern höchstens zu einer Zusammenkunft, „einer Tagung44 mit sachlich-fachlichen Resultaten. Allein der „( instand44 der Jüngeren kann die genügende Ausdauer in dem gemeinsamen Durchleben eines solchen Zeitteils aufbringen. Jüngere haben noch die Fähigkeit, Zeit enthusia*ti.-.eh zu opfern. Sie sind also für die Alteren darin das lebendige Vorbild, wie mau es machen muß. Und auch bei unserem Versuch war, obgleich gerade in der Auv»vahl der Jüngeren noch nicht durchweg glücklich verfahren war, doch dieser Kreis der Jüngeren das eigentlich „verbindliche Element44 der Akademie. Ohne den jugendlichen Willm zum Zusammenhalt wäre es wahrscheinlich doch nicht geglückt, daß ein^ Reihe von Männern in selbständiger Stellung so einfach vier Wochen lang pausierten, ihren Beruf, ihr Geschäft, ihren Betrieb, ihr privates Leben verließen, um einer gemeinsamen geistigen Arbeit willen.

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