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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 121)
Language
German
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die Elementarstürme ausgeliefert. So hat es das chaotische Prinzip, das Europa in eine Periode der Barbarei stürzen kann, in seine Kultur hineingelassen. Aber keinerlei Stürme, keinerlei chaotische Elementargewalten sind imstande, das Licht der christliehen Offenbarung von Gott, vom Menschen und vom Gottmenschen zum Verlöschen zu bringen. Die Tore der Hölle werden es nicht besiegen können. Und darum wird die Quelle des Lichts bestehen bleiben, so tief auch ringsum die Finsternis sein möge. LTnd wir müssen uns nicht nur als letzte Römer fühlen, die der alten und ewigen Wahrheit und Schönheit treu sind, sondern auch als die \\ ächter, die dem unsichtbaren, kommenden schöpferischen Tag zugewandt sind, an dem die Sonne der neuen christlichen Renaissance aufgehen wird. Vielleicht wird sie in Katakomben anbrechen und nur für wenige Geschehnis werden, vielleicht wird sie erst am Ende der Zeiten eintreten. Es ist uns nicht gegeben, dies zu wissen. Aber wir wissen mit Bestimmtheit, daß das ewige Licht und die ewige Schönheit durch keinerlei Finsternis und keinerlei Chaos vernichtet werden können. Der Sieg der Quantität über die Qualität, dieser beschränkten Welt über die andere unendliche elt, ist stets ein illusorischer. Und darum müssen wir furchtlos und unverzagt aus dem Tag der Geschichte der Neuzeit in die Nacht des Mittelalters eintreten. Möge das lügnerische und trügerische Licht verlöschen! ★ ★ * Mein Thema ist ein europäisches, nicht ein russisches. Rußland steht abseits von der großen humanistischen Bewegung der neueren Geschichte. In ihm hat es keine Renaissance gegeben, der Geist der Renaissance ist den Russen fremd. In Rußland hat es keine üppige Blüte der schöpferischen menschlichen Individualität gegeben. Aber die Russen haben sich <D D die letzten Früchte des europäischen Humanismus in der Periode seiner Selbstzersetzung und Selbstvernichtung, als er sich endgültig gegen das Idealbild des Menschen richtete, zu eigen gemacht. Lud kein einziges Volk ist in der Vernichtung des Idealbildes des Menschen, der Menschenrechte, der menschlichen Freiheit bis zu solchen Extremen gelangt. Kein O Ö einziges Volk hat eine solche Feindschaft gegen den schöpferischen Überfluß, einen so erbosten Neid gegen jegliches Aufblühen der menschlichen Individualität an den Tag gelegt. Hierin liegt für uns Russen etwas Furchtbares. Wir erleben in extremster Form das Ende der Renaissance, 2ti

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