Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeit erinnert an das Ende der griechischen Philosophie und das damalige Suchen der Mysterien, - es erinnert an die Sehnsucht nach der Fleischwerdung Gottes, nach der Erscheinung des Gottmenschen. Unsere Zeit hat in geistiger Hinsicht Ähnlichkeit mit dem UniversaHsmus und Synkretismus der hellenistischen Epoche. Eine große Sehnsucht hat den besseren Teil der Menschheit erfaßt. Das ist das Zeichen des Anbruchs einer neuen religiösen Epoche. ★ ★ ★ Der Humanismus mußte bis ans Ende durchlebt werden. Seine Wege sind heute zu Ende gegangen und er muß überwunden werden. Die innere, selbstvernichtende Dialektik des Humanismus hat der Menschheit eine ungeheure Erfahrung gegeben. Und die Rückkehr zu jenem einfacheren Zustande, in dem sich der europäische Mensch vor der humanistischen Epoche der neueren Geschichte befand, ist unmöglich. Die Geschichte der Neuzeit hat alles im Menschen zerspalten, zugespitzt und entlarvt. Hierin, nicht aber in ihren positiven Eroberungen und Errungenschaften, hegt ihr Hauptsinn. Das Suchen der Geschichte der Neuzeit ist von großer Bedeutung. Im Humanismus wurde etwas offenbar gemacht, in ihm wurde ein großes Thema gestellt. Heute endet das Leben des Menschen in Losgelöstheit vom religiösen Zentrum, und das Suchen nach einer neuen religiösen Zentralisation des Lebens, d. h. eine seelische Vertiefung, ist unvermeidlich. Der Mensch kann in allen Sphären seines Schöpfertums nicht mehr länger an der Oberfläche, an der Peripherie des Seins verweilen. Er muß entweder die Bewegung in die Tiefe beginnen oder einer endgültigen Verödung und Verheerung verfallen. Die großen Erschütterungen und Prüfungen unserer Zeit müssen eine Vertiefung bewirken. Dem europäischen Menschen steht die endgültige Befreiung von den Illusionen des Humanismus bevor. Er kann sich nicht länger im Mittelreich halten. Es findet eine Verschiebung nach zwei entgegengesetzten Seiten statt: nach oben und nach unten. Nach vielen Anzeichen zu urteilen, nähern wir uns einer neuen historischen Epoche. Einer Epoche, die mit dem frühen, noch dunklen Mittelalter, um das 7., 8. und 9. Jahrhundert bis zur mittelalterlichen Renaissance, Ähnlichkeit hat. Und viele von uns mögen sich den letzten Römern verwandt fühlen. Das ist ein edles Selbstgefühl. Etwas von diesem Selbstgefühl erwachte auch in der neuchristlichen Seele des hl. Augustinus, als Rom Gefahr drohte, als die barbarische Welt hereinbrach. So 240