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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 116)
Language
German
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Grundlage, er war verknüpft mit dem Glauben an Gott. Der Mensch, der Gott verloren hat, geht im unpersönlichen und unmenschlichen Element unter, er wird zum Sklaven der unmenschlichen Notwendigkeit. In unserer Epoche besteht nicht mehr das freie, renaissancemäßige Spiel der menschlichen Kräfte, welches sowohl die italienische Kunst als auch Shakespeare und Goethe aus sich hat hervorgehen lassen. In unserer Epoche spielen die menschlichen Kräfte, Elementargeister, die den Menschen erdrücken und sein Idealbild verdunkeln. Nicht der Mensch ist heute befreit, sondern unmenschliche Elementargewalten sind entfesselt, und ihre Wellen schlagen über den Menschen hinweg. Der Mensch hat seine Form, sein Idealbild durch die Wirkung religiöser Prinzipien und Energien erhalten. Das Chaos, in dem das menschliche Idealbild unterging, konnte nicht allein durch menschliche Kräfte überwunden werden. Die Entstehung des menschlichen Kosmos war ebenfalls das Werk göttlicher Kräfte. Der Mensch der neuzeitlichen Geschichte, der an ihremEnde von der göttlichen Kraft abfiel und ihre Hilfe ablehnte, verfällt von neuem in das Chaos, er zerrüttet sein Idealbild, erschüttert seine Formen. Die schöpferische Energie des Menschen wird nicht konzentriert sondern zerstäubt. Die Entstehung eines Reservoirs schöpferischer Energie setzt die Erhaltung der Formen des menschlichen Idealbildes voraus, sie setzt die Grenzen voraus, die den Menschen vor den formlosen untersten Stadien trennen. Dieses Reservoir ist zerschlagen, und die schöpferische Energie ist aus ihm herausgeströmt. Der Mensch verliert seine Formen, seine Grenzen, er ist nicht geschützt vor der schlechten Unendlichkeit der chaotischen Welt. Ebenso wie wir das Ende der Renaissance in den neuen Strömungen der Kunst, im Futurismus, in den neuen Strömungen der Philosophie, im erkenntnistheoretischen Kritizismus, in den theosophischen und okkultistischen Strömungen und schließlich im Sozialismus und Anarchismus erleben, die im öffentlichen Leben unserer Epoche einen so vorherrschenden Platz einnehmen, erleben wir es auch in den religiösen und mystischen Strömungen. In den einen Strömungen zersetzt sich der Humanismus innerlich und dieser Zersetzungsprozeß zieht auch das Idealbild des Menschen, die Formen des Menschen in sich hinein. In den anderen Strömungen wird der Humanismus durch höhere Prinzipien überwunden, und der Mensch sucht die Rettung seines Idealbildes, seiner 238

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