Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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geleistete Opfer alles Irdischen. Darum wird es uns leichter, wenn wir den Tod in unser Bewußtsein aufgenommen haben, den Abschied vom Irdischen zu bestehen. Der Tod, der uns die Opfer sozusagen vorvollzieht, ist uns vertraulich als ein Helfer. Vom Tode her enthüllt sich das Wesen der Wirklichkeit des Menschen. Sie ist nicht zu erreichen durch Befestigung der Position des Ich. Mit bestimmten besitzbaren Gütern, durch Erwerb von Glück, Wissen, persönlicher Vollkommenheit. Sie wirkt sich aus allein in der Begegnung des Menschen mit dem ihm zu bestehen Aufgetragenem, mit Personen und Werken seines irdischen Schicksals. Auf diesem Wege nur kann der Zweifel des Menschen an sich selbst zur Ruhe kommen; des Menschen Leben soll sein weil uns scheinbar alles das Hiesige braucht, dieses Schwindende, das seltsam uns angeht. Uns, die Schwindendsten . .Einmal jedes, nur einmal. .Einmal und nicht mehr. Und wir auch einmal. Nie wieder. Aber dieses einmal gewesen zu sein, wenn auch nur einmal: irdisch gewesen zu sein, scheint nicht widerrufbar. So ist also gerade in der Vergänglichkeit des Lebens seine Wirklichkeit verwurzelt. Der Vergang des Menschen kann ein Werden sein, das ein für allemal geschieht. Erst wenn der jede Stelle des Lebens überschattende Tod anerkannt ist, können die Dinge der Welt richtig gesehen werden. Nur wenn wir den Tod erfaßt haben, können wir an dem Menschen, der uns begegnet, tun, wozu er uns braucht: Dienst, der ihm zu seinem eigentlichen Sein hilft. Wir selbst werden erst, wenn wir den Tod hinter uns gelassen haben, zur Völligkeit des zeitlichen Erlebens frei. In dieser Freiheit wird der Einsatz der ganzen Person möglich, das Einschwingen aller Wesenskräfte in die Gegenwart und damit wirkliche Bewältigung des Begegnenden. Sei - und wisse zugleich des Nicht-Seins Bedingung, den unendlichen Grund deiner innigen Schwingung, daß du sie völlig vollziehst dieses einzige Mal. Für die Völligkeit des Daseins ist die Heiterkeit Ausdruck und tragende Voraussetzung; von neu errungener Heiterkeit legen Zeugnis ab die Sonette an Orpheus. Der den Tod einbezog, der zur Wandlung bereitet ist, 214