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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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fragen bestimmterer Art für uns praktisch werden. Was der Mensch auch zur Ausfüllung seines Lebensraums unternehmen möge; was er auch an Torheiten und Erkühnungen ersinnen, an Leidenschaften, Übertretungen und Opfern erproben möge: nie wird er einwilligen, Gespenst zu sein, unwirkliches Ungefähr ohne Ort und Gegenüber. Selbst wenn er sich in der Weise der Asketen oder der Buddhisten gegen das „Leben*' kehrt, selbst wrenn er dem Nicht-Sein als dem höchsten Ziel zustrebt, bleibt es sein Ehrgeiz, im wirklichen Sein zu verharren, das wirklich zu denken, was er denkt, die innere Ordnung zu bewahren, nicht abzuirren in das Reich, wo Leben und Tod, Hier und Dort, Sprechen und Erwägen aufgehoben sind. Niemals kann mit dem buddhistischen „Erwachen" jenes zersetzende Wachsein, jener böse Blick gemeint gewesen sein, der letzten Endes das Subjekt jedes erdenklichen Tuns und \ erhalt ens hin wegnimmt, Zeit und Raum einreißt und alles in den Abgrund der Sinnlosigkeit stürzt. Wenn die Reden Buddhas einherkommen mit einer Architektur, wie sie vielleicht nie in Stein und Holz, nur noch in einer Bachsehen Fuge errichtet worden ist, so heißt das, daß hier Sicherungen des menschlichen „Seins" gegeben sind, die sich fester kaum denken lassen. Die Bedrohung durch jenes böse Nicht-Sein stellt den Menschen an einen Punkt, von dem aus gesehen wird - falls nicht schon alles Sehen und rechte Fühlen in ihm erloschen ist -, daß alles Leben ohne die Beziehung zum göttlichen Lebensgrund ein Selbstbetrug ist. Es ist freilich des Lebendigen viel in uns, und es geschieht nicht leicht, daß es im eigentlichen Akt des Abfalls sofort mit einem Schlage aufgezehrt wird. Darum können sich die Scheinwelten, die der vom Lebensgrund Geschiedene errichtet, manchmal lange Zeit halten; es kann die Täuschung entstehen, daß es in ihnen so etwas wie Leben gebe; ein Sicut, ein Ersatz, ein Ais- Ob an Leben. Hat der Geist aufgehört, zu leben, d. h. zu glauben, so kann noch Gläubigkeit in den Sinnen oder im Herzen wohnen oder tief im Leiblichen; und erst, wenn alle diese Vorräte erschöpft sind, tritt der offene Zerfall ein. Führt aber die Abtrennung des Ichs vom Lebensmittelpunkt geradeswegs in die Eiswüsten, wo der Kältetod nahe heranstreift, dann wird auch der Betrug mit einem Schlage durchschaut. Die Hellsichtigkeit einer großen Gefahr tritt ein, man kommt mit einem Sprung auf den Grund, man nimmt in ungeheurer Verdichtung gleichsam alle Torheiten vorweg, die man sonst langsam durchdringen mußte; man wird 193

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