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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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Weil die Arbeit nicht mehr unter der Hand geschieht, schreit sie nach dem, der Kreatur eingeborenen Gesetz. Die Kreatur will nicht das Gesetz der Wirtschaft erfüllen, wenn man nicht auch nach ihr, der Kreatur, fragt. Wenn sie jenes Gesetz erfüllen soll, und sie weiß, daß sie als Kreatur dienen muß, so will sie aber doch zugleich das Gesetz aufdecken und enthüllen, das uns selber der Herrgott als Maß eingesetzt hat. So kommt das Problem der Geschlechter und das Problem des Alters auf die Tagesordnung. Denn jedes iUter arbeitet anders. Mit 10 Jahren arbeite ich anders, sparsamer, als mit 30 Jahren. Ich suche allerhand Vereinfachungen. So geht es durch das ganze Leben. Ich bin überzeugt, daß ich auch weiter meine Arbeit in jeder Lebensstufe werde anders tun müssen. Und da nicht mehr der Beruf wie früher da ist, der das ganze Leben hindurch gleichbleibt, sondern nur noch die Arbeit, so ist plötzlich das Lebendigbleiben, das Ausfüllen-Können der Aufgabe auf jeder Altersstufe für die Menschen eine Lebensfrage geworden. Wie ratlos sind die Unternehmer doch dem gegenüber, was sie mit den Menschen vom 18. bis 60. Jahre anfangen sollen; das wissen sie nicht. Sie können Greise und Lehrlinge betreuen, aber die Erwachsenen? Nur wenn der Generaldirektor sich selbst als Kreatur behandeln würde und sich selbst, seine Arbeitsstufe und sein jeweiliges Lebensalter ernst nehmen würde, würde er begreifen, was der Arbeiter sucht; eine kreatürliche Gestaltung des Arbeitslebens, gemäß den Altersstufen des Lebens. Schlatter von St. Gallen hat ein Büchlein geschrieben: Die Lebensarbeit des Mannes. Nun habe ich selbst ein Büchlein geschrieben über „Die Lebensarbeit in der Industrie44. Aber das hinderte mich nicht, begeistert nach dem Schlatterschen zu greifen. Ich schlug es auf und war baß entsetzt. Wenn ein Pfarrer über die Lebensarbeit des Mannes sehreibt, so gebraucht er dieses Wort und redet trotzdem nur vom Beruf. Lebensarbeit ist an sich ein schönes Wort. Das Buch zeigt, wie man es aufkleben kann, auf etwas völlig Ungedachtes - Gedankenloses. In dem ganzen Schriftchen hat er nicht ein einziges Mal von seiner eigenen Not gesprochen. Aber nur aus der eigenen Not heraus kann man darüber sprechen. Hier liegt heute eine große allgemeine Not vor. Wir alle empfinden, wie wir immer wieder der Umstellung und Aufrüttelung bedürfen. Ich muß, oder vielleicht: ich müßte mal, so sagt man wohl vorsichtig, eine gründliche Änderung eintreten lassen, um frisch zu bleiben. Schon in diesem 173

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