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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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in Gestalt unserer Frau, die da sagt: So geht es nicht weiter. Der Mensch hat früher mehr gearbeitet, und trotzdem ist die Arbeit kein Problem gewesen. Erst seitdem ist die Arbeitsüberlastung in der Schule ein Problem geworden, seitdem die Arbeit selbst Problem geworden ist. Die früheren Schulen waren eben Schulen, die „Persönlichkeiten" heranbildeten. Vielleicht wurde dies Ziel der Schule nur bei drei Menschen erreicht. Die anderen waren Widerstand, Futter; nur drei von zwölf Abiturienten waren es oft, die griechisch oder lateinisch sprechen und schreiben konnten. Das will heißen, daß die Schule bewußt die einzelne Persönlichkeit anregte. Aber die Epoche war damals mit dieser Zielsetzung auf den Geistmenschen einverstanden und deshalb übersah sie die acht oder neun Versager ohne Herzeleid. So ist es heute nicht mehr. Nur ein Drittel der Abiturienten kommt überhaupt mit akademischen Fächern in Berührung. Nun erträgt man das Mißverhältnis nicht mehr. Infolgedessen fing die Schulreform an mit dem Schlagwort: „Uberbürdung". Nicht daß objektiv die Überbürdung da war; sondern die äußere Zeitlage ließ plötzlich diesen Ruf verständlich erscheinen. Die Überbürdung in der Schule ist die Form, in der die höheren Stände zuerst den Ruf der Arbeitsfrage vernommen haben. Es gibt also seitdem eine Arbeitsfrage in allen Volksschichten ohne Rücksicht auf die Arbeiterbewegung. Das ist kein Wunder. Wenn heute die Wirtschaft Gesetz wird, Naturgesetz, so kennt sie für unsere Arbeit kein Maß. Die Straßenbahnen gehen Sonntags und Wochentags. Sie rechnen immer mit uns und wir mit ihnen. Wir haben eine Unmasse von Tätigkeiten, die wir jeden Tag verlangen. Es ist für den einzelnen Menschen in der Wirtschaft kein Maß mehr für seine Tätigkeit gegeben, wir alle wirken umschichtig an einem fortlaufenden Band der Wirtschaft, wie sie in der Band- und Fließarbeit besteht. Unsere Arbeit ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt dieser Band- und Fließarbeit, in der wir alle stehen, in der wir längst drin sind. Die Band- und Fließarbeit von Henry Ford ist nur die letzte saubere Durchführung bis ins kleinste dieses allgemeinen Zustandes. So empfinden wir in der Wirtschaft, ganz anders als im Beruf, heute nirgends mehr ein Maß für uns selbst. Der Beamte findet es nicht mehr - niemand mehr. Auch die Männer der Kirche nicht mehr, seit dem die Vereine sie beliebig Tag und Nacht auffressen. Und wenn der Tag 48 Stunden hätte, wir wären noch immer überlastet. 172

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