Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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arbeit eine Kunst der Pausen, eine Kunst des Rhythmus, einfach aus y « Angst sich zu zerarbeiten. Dieser Esel Mensch wird jetzt nicht mehr durch den eigenen Geist immer wieder ins Leben gerufen, sondern bei einer solchen nur gliedhaften Arbeitsweise muß er befragt werden nach seiner eigentümlichen Natur, nach seinem Rhythmus. Es regnet jetzt Bücher über Gymnastik, die ganz instinktiv, oft ohne tiefere Kenntnis, diesen körperlichen Menschen in seiner eigentümlichen Ebbe und Flut zu erfassen versuchen. Das geht uns plötzlich alle an, weil ein Stück Kreatur in uns erlöst werden will. Positiv, aufs Ganze gesehen, wenn wir einmal beherzt von unserer versinkenden Akademikerschicht absehen, ist das eine große Sache, wenn die Kreatur, die da seufzt, nun wirklich erlöst wird, wenn ein Stück in uns heute irgendwie gestaltet werden muß, nicht mehr mißbraucht werden darf, weil sonst nichts mehr uns übrigbleibt, wenn also das Geschöpf in uns ebenfalls nach der Ebenbildlichkeit Gottes verlangt. In der bisherigen Ordnung der Dinge wurde nicht der Knecht, das Leidwesen Mensch in uns erlöst, sondern der Mensch als Geistträger, als Berufener. Das ist ja das Große in der Berufslehre des Luthertums, daß dem Menschen seine Ebenbildlichkeit dadurch gegeben wird, daß er als Sohn, als Persönlichkeit in die Reihe der Brüder des Herrn tritt. Offenbar kann niemals die leibliche Kraft in uns, die unvernünftige, in der gleichen Weise in den Erlösungsprozeß hineingerissen werden. Die Kräfte unseres Leibes können nur als Glieder der vergänglichen Welt erlöst werden mit der ganzen vergänglichen Welt zusammen. Der Geist muß hier über die Schöpfung als solche kommen. Nicht kann er hier den Einzelnen als Persönlichkeit geistig berufen und selbständig machen. Von uns als Geschöpf ist in der Luthertafel aber noch gar nicht die Rede, sondern immer von geistigen Menschen. Ein neues Reich, ein neues Spiel heben an. Da steht der Mensch als eine Kraft unter den vielen Kräften dieser Erde und will in den Reigen der Geschöpfe einschwingen. Wenn die Zeitfrage heute diese Rolle bei der Arbeit spielt, wenn die Zeitfrage heute das dringendste werden will, so ist es eben deshalb, weil der Mensch als vergängliches Wesen, als Kreatur, heute seine christliche und aus dem Glauben geschehende Ordnung sonst nicht mehr leben kann. Der Beruf selber bildet uns nicht mehr; und weil der Beruf über uns hinweggeht und uns nicht mehr zu bilden vermag, sondern uns zu zermürben droht, deswegen muß die Kreatur in uns aufstehen, zunächst 171