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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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jetzt einfach logisch durch. Sie sieht nicht, daß ein Stück Freiheit, die damals bestand, heute nicht mehr besteht. Diese Deduktion ist lieblos. Zur Liebe gehört, daß ich das Leben unmittelbar auffasse, wie es besteht oder zerfällt. Die Verwüstung, die damit angerichtet wird, ist sehr groß. Es würde viel von der Verbitterung beseitigt werden, wenn nicht die Theologen selber sich so versteifen würden in diesem wirtschaftlichen Interessenkampf. Doch genug davon. Ein Ding ist an der heutigen Arbeit deutlich. Sie geschieht nicht mehr unter der Hand. Nur ein kleines Beispiel: Der akademische Ingenieur hat sich bisher auf der Hochschule gegeben, als wäre er auch ein Student der Universität. Schon bisher war das sehr fragwürdig. Er hatte 46 Wochenstunden, die er hören mußte. Die Technische Hochschule ist in Wahrheit eine Werkstatt, in der gearbeitet wird. Nun ist ein Abkommen geschlossen worden, der die Ferien fast aufhebt und auf vier Wochen Urlaub jährlich reduziert, ein Abkommen zwischen Industrie und Hochschule! Die übrigen vier Monate Ferien müssen die Studenten in planvoller Wirtschaft verbringen. Der Stand der Ingenieure wird so zu einer gehobenen Arbeiterschicht in der Industrie. Bei uns an der Universität droht auch die Verkürzimg der Ferien. Auch das ist eine Erscheinung, die zu denken geben muß. Sie würde dazu führen, daß frei und in Muße nichts mehr produziert werden wird. Die echte freie Berufsarbeit wird drangegeben. Die Arbeit, die unter der Hand geschah, weil sie niemand sah, fällt fort. Und diese Vernichtung droht bereits an der Freistatt des Berufes, an der deutschen Hochschule, an der Luther und Melanchthon Professoren waren. Das zeigt, daß der Krebs heute im Kern unserer Kultur sitzt. Es handelt sich hier nicht um die Arbeitnehmer, sondern um die Zentraleinrichtung der deutschen Universitäten, von der so viel Segen seit vier Jahrhunderten für die Ordnung in Staat und Gesellschaft immer wieder ausgegangen ist. Die Universität selbst wird in ihrer Teilung in Freiheit und Gesetz heute bedroht. Auch ihre Freiheit des Berufs wird Knechtschaft der Arbeit. Wenn das nun so ist, wenn die Arbeit nicht mehr unter der Hand geschieht, dann wird etwas für den jungen Studenten lebenswichtig, nämlich die Arbeit selbst als Lebenskunst zu lernen, als nicht lebenzerstörend, sondern als Technik. In meiner Studentenzeit kannten wir keine Arbeitstechnik. Heute wird das gründlich anders. So ein Ingenieur muß eine gewisse Arbeitstechnik sich angewöhnen, unabhängig von jeder Spezial- 170

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