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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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diesem Bewußtsein, wenn nur die Mission als Verantwortung begriffen wrird, die Voraussetzung für eine aus tiefem Grund als notwendig erkannte Zusammenarbeit der Nationen, die Verankerung eines Weltgefühls in einer Erlebniswirklichkeit statt in einer schattenhaften Ideologie? Es ist lehrreich zu beobachten, daß der ideale Gehalt des Völkerbundgedankens dort am tiefsten erfaßt wird, wo sich das stärkste traditionelle Bewußtsein der Weltberufung findet: in England. Man will der Befriedung der Welt durch Betonung des „Gemeinsamen" dienen. Aber empfinden wir nicht, wo wir am meisten lieben und bewundern, am stärksten die Besonderheit, das Anders-sein des anderen? Nur wo die Spannungen erlebt werden, in die uns die Berührung mit dem als verschieden Erkannten hineinstellt, wird die Berührung zweier Nationalitäten fruchtbar. Es hat den Anschein, als sei unser Los die Renaissance eines Nationalismus mit anderer Gefühlsbetonung - skeptischer, weniger opferbereit, mit geminderter innerer Tragfähigkeit. Was er eingebüßt hat an sittlichen Energien, an Glaubenskraft, müßte ihm aus dem Erbe des übernationalen politischen Idealismus an Welthaltigkeit und verantwortungsbewußtem Wollen zufließen. Daß dies Erbe ein so problematisches ist, daß dieser Nachkriegstrieb geknickt ist, ist unsere Schwäche und bezeichnet die Aufgabe der nächsten Generation, die nur in grundsätzlicher Abseitigkeit von jedem „Betrieb64 erfüllt werden kann: die Schaffung einer Synthese von National- und Weltgefühl, von Patriotismus und Weltgewissen. Eine Aufgabe, die nicht mit Propagandamitteln, nicht auf dem Weg über die Vielen, wenn auch für sie zu lösen ist. Wir brauchen - und damit kommen wir zu einer praktischen Zuspitzung des Gesagten - eine geistige Führerschicht, die die Gefahr auf sich nimmt, eine innere Auseinandersetzung mit fremdem Volkstum bis in die letzten Konsequenzen zu vollziehen und ein gereinigtes Bild der Welt den eigenen Volksgenossen darzubieten. Nur mit Hilfe dieser lebendigen Bindeglieder ist die Welt zusammenzuhalten, die sich selbst zum Schlachtfeld hergeben für den Austrag der nationalen Gegensätze, der kontrastierenden Ideale, der sich ausschließenden Lebensformen. Aber nur dann vermögen sie ihre Aufgabe zu erfüllen, wenn sie die Kraft haben, ihr eigenes Wesen und die Bindung an den eigenen Ursprung bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber den fremden Gewalten unversehrt zu

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