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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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erhalten. Sie haben sich - das Wort ist nicht zu groß - unter das Gesetz eines „Stirb und Werde" zu stellen, um eine Gestalt zu finden, die gesteigerter Ausdruck ihres Erbes ist und gleichzeitig die Welt umschließt - nicht mit einer schönen Geste, sondern als einen verantwortlich und als Schicksal empfundenen Teil ihres Ich. Daß nur wenige hierzu in der Lage sind, daß viele den Versuch mit einer Zerstörung ihrer Wesenhaftigkeit bezahlen müssen, liegt auf der Hand. Aber einen anderen Weg zur geistigen Einigung gibt es nicht. Und ohne diese ist auch eine Erneuerung der Weltpolitik nicht denkbar. Dieser Weg nicht der Uberwindung, sondern der Verklärung des Nationalgefühls, der Schaffung eines welthaltigen Nationalismus in Einzelnen und durch sie, soweit sie ihn zu fassen vermögen, in den Vielen, genügt freilich nicht, ja er führt nicht einmal in den Kern der Weltnot. Daß wir ein Ich sind und doch nur ein Teil, daß das Ich seinen Wert und Sinn erhält aus dem Ganzen, aus einer Hingabe an das Ganze, und sich doch mit allen Kräften zu behaupten, abzugrenzen und aufzublähen strebt, ist das Thema des Einzellebens wie der Weltgeschichte. Es kommen Zeiten, wo das Ich schlechte Erfahrungen mit sich gemacht hat und seiner selbst herzlich überdrüssig wird. Aber es ist nicht so leicht umzubringen, wie die Selbsttäuschung zuweilen glauben lassen möchte. Und seine Zerstörung ist nur dann ein sittlicher Gewinn, ein „Fortschritt", wenn es dabei in eine höhere und umfassendere Form eingeht. So mag die schrittweise Entwicklung der Formen unseres gesellschaftlichen Lebens von der Sippe zum Nationalstaat als Fortschritt verstanden werden. Aber stets handelte es sich dabei um ein Ego in dem ganzen irdisch-realen Sinn des Worts, um eine biologische Einheit, eine Lebens- und Interessengemeinschaft, arbeitsteilig zusammengesetzt, bis an die Peripherie vom gemeinsamen Leben fühlbar durchblutet, sich in ihrem Eigenleben der Welt gegenüber behauptend und an dem Gegenüber Ich-Welt ihre Kräfte entwickelnd, ihres Selbst sich bewußt werdend. Der Schritt zur weltumfassenden Völkergemeinschaft aber bedeutet nicht, wie es scheinen möchte, nur ein geradliniges, mit logischer Konsequenz zu forderndes Weiterschreiten auf dem Wege der Menschheit, die Anfügung eines weiteren Gliedes an die Kette der politischen Seinsformen — wenn auch des letzten, womit der Kreis sich schlösse und das Reich des ewigen Friedens anbräche. Es geschähe damit vielmehr etwas grundsätzlich Neues, Un- 156

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