Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2823768-2823775-2823778--0632-2824581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ganz leise löst sich der Bann, den mir der Bodensee droben im alten Dagobertturme auf der Meersburg angetan; ich muß zu meinem fernen Erlengrund in Neusorge zurück und will dort noch viel treuer horchen auf das Verlangen der Kreatur, die da aus ihrem Innersten heraus begehrt, zu Wort und Geist zu werden. Es wartet das sonnige Wiesental, es warten die Schatten der Erlen, es wartet der Bach, so klein, daß ein Grashalm die Brücke schlagen kann von einem Ufer zum andern, und der winzige Teich auf Nachbars Wiese. Dort lebt noch vieles, was noch nicht Wort geworden ist; dort ist wohl noch eine ganze heilige Schrift unübersetzt, ein Altes und ein Neues Testament. Und jedes Warten und Verlangen, auch das Warten und Verlangen der Kreatur, ist nicht eine bloße Forderung von der einen Seite, nicht nur ein Ruf von der einen Seite, sondern auch eine Kraftsendung und Gnadenspendung nach der anderen Seite hin. Und nicht nur zu Gott hin, sondern auch zu seiner Kreatur kann man das augustinische Vertrauenswort sagen: Fac quod iubes! 134