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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die Menschen haben schon längst in aller Stille ja gesagt zu der Art, wie das Wasser über die Erde kommt und wie es verteilt wird. Hier und da versuchen sie kleine Korrekturen zu ihren Gunsten, die aber dem Wasser völlig gleichgültig sind. Im großen und ganzen ist das Wasser der Gewalt und der Klugheit der Menschen entzogen. Sie wollen es zwar in der Zukunft noch viel reichlicher ausnutzen, müssen sich aber ganz nach ihm richten. Wo es reichlich fließt, bietet es sich gern reichlich dar; wo es ärmlich fließt, kann gewöhnlich die stärkste Macht der Welt keinen Wasserreichtum erzwingen; sie könnte mächtige Becken graben lassen, — Raum für Wasser und für Geist und für Glaube und für Gnade können die Menschen schaffen, und ja, beim Wasser können sie noch mehr als beim Geiste; beim Wasser können sie mitunter das Zufließen klug berechnen und erzwingen. In jener Hierarchie, in der Wasser und Geist beide Glieder sind, schwebt der Geist über dem Wasser und ist nicht so leicht von den Händen zu erreichen, die das Wasser noch erreichen können. Und wenn es ja wahr sein sollte, daß die Menschen ein gewisses Verfügungsrecht über den Geist, über den Glauben, über die Gnade hätten, so daß sie irgendwie bestimmen könnten, welchen Anteil sie an ihnen hätten, so ist doch auch dies wahr, daß der Geist ihnen gegenüber noch souveräner ist als das Wasser - und das Wasser ist ihnen gegenüber sehr souverän. Es kann der Vater seinen Sohn in die geistige Pflege von mehr als einem Dutzend Hauslehrer bringen, kann ihn in die höchsten Schulen schicken, er kann aber doch nur Flußläufe und Seebecken anlegen lassen, der Geist kommt nur in der Fülle, in der er selbst kommen will, nicht in der Fülle, in der ihn der Vater für seinen Sohn kaufen will. Und wo der Geist in Fülle kommen will, da nimmt er gern die von den Lehrern und Schülern gegrabenen Täler und Becken wahr, aber - ich möchte sagen - noch lieber gräbt er sich selbst imDaherbrausen sein Strombett und sein Meeresbecken. Ich traf bisher auf meinen Wegen über die Erde wenig Ehrfurcht vor dem Geiste. Die Menschen reden von ihm wie von einem erwerbbaren Sklaven. Die Armen sagen: „Die Reichen haben Geld genug, sich geistiges Eigentum zu erwerben," und die Reichen spüren gut genug, daß sich Geist nicht kaufen läßt, aber sie versuchen es doch immer wieder. Der Geist aber ist empfindlich sowohl gegen jenes Gerede der Armen wie gegen diese Versuche der Reichen und zieht sich darum immer mehr von der Erde zurück. Die Erde aber sehnt sich mindestens ebenso sehr nach Geist wde nach 130

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