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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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der Wiedergeburt zum ewigen Leben im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes!" Was damit von der Kirche für die Erlösung der Kreatur vom Unglauben der Menschen und für die Wiederaufnahme der Kreatur in die Welt des Vaters und des Sohnes und des Geistes getan worden ist und getan werden durfte, leidet natürlich unter der kritischen Stellung der heutigen Menschheit zu allem Kirchlichen. Aber es ist doch noch auf der Erde und schlummert vielleicht gesünder im Unterbewußtsein der gläubigen Menschen, als es je im hellen Bewußtsein wachen könnte. Ich will es auch nicht unzeitig aufwecken; aber es ist ein anderes, das schlummernde Königskind unzeitig aufzuwecken, und ein anderes, dem lärmenden Menschen zu sagen: „Seid still und ehrfürchtig: Hier schlummert ein Königskind, das einst die Krone tragen wird!44 Ich klagte einem Freunde, daß mir durch die vielen Trennungsstriche der Wissenschaft der Weg O C zum Himmel schwrer werde. Sprach zu ihm: Kaum enthüllt mir eine Wahrheit ihr großes, liebes Angesicht, da saust wie ein Schwertstreich das Distinguendum est eines Scholasten durch die Luft, und das Bild, das sich mir enthüllt, ist entzweigeschnitten. Des Apostels Klage, daß wir hier auf Erden nur stückweise erkennen, ist zuerst zu einer berechtigten Methode, dann aber zum Gesetz geworden: Die Wissenschaft vergönnt uns nicht mehr ein ganzes Schauen und Erkennen; sie stellt uns, sobald wir die Augen ganz aufmachen wollen, einen Haufen Einzelstücke vor die Augen, so daß wir uns in Einzelheiten verlieren; macht die Einzelheiten auch so interessant, aufregend, wichtig, schön, daß wir einer von ihnen gern unser ganzes Leben weihen und sogar gern den Titel eines Fachmannes, einer ,,Autorität auf diesem Spezialgebiet** tragen. Der Freund fühlte sich getroffen und setzte sich zur Wehr. Gerade durch die Methode der Distinktion sei das menschliche Erkennen zu der beachtenswerten Höhe emporgekommen, die es heute erreicht habe. Da er aber merkte, daß ich wahrhaftig traurig war, tröstete er mich: Das seien ja alles nur logische Funktionen, die der Wahrheit ebensowenig schadeten wie die Meridiane und Breitenkreise, die man auf den Globus zeichnet, der Erde schaden können. „Oder46, fragte er, „würdest du über einen Meridian stolpern, wenn du von Neusorge über Görlitz nach Dresden wandern wolltest?" Ich blieb trotzdem untröstlich, denn über Meridiane stolpere ich zwar nicht; die liegen auch nicht zwischen mir und Gott; 127

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