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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Geist über den Wassern schweben sehen; - aber nein, es wird ein mit Recht bespöttelter Versuch, eine Geistesübung ohne Geist, eine Trivialität, weil in der Welt der Schule ein breiter Strom von Menschenklugheit den Geist vom Wasser trennt, so daß nur armselige Vergleichungen zustande kommen, nicht aber das große Wissen um das Wasser und den heiligen Geist, aus denen der Mensch zum ewigen Leben geboren wird. So geschult, empfängt die Menschheit an den strömenden Wassern nur noch poetische Einfälle, nicht aber mehr geistiges Leben. Was die Kirche von jenem großen Wissen noch bewahrt und tut, das entwertet und verohnmächtigt die also geschulte Menschheit, indem sie es aus der ewig tiefen V* irkliehkeit an den Strand des Symbolhaften wirft, wo es sein; A>>> 2-Leben verliert, - wo es stirbt; und selbst die Gläubigen vergessen allzuleicht, daß das Sakrament des Wassers nicht nur ein sichtbares Symbol unsichtbaren Lebensvorgangs, sondern ein sichtbares und w irksames, ein \& irklichkeit schaffendes Symbol ist. Als ich noch in der Knabenschule auf der Rosenstraße in Breslau Religionsunterricht gab und bei der Lehre vom Heiligen Geist auch auf das Genesiswort zu sprechen kam: „Der Geist Gottes schwebte über den Gewässern", da fragte ein Junge aus der ersten Klasse: „Herr Kaplan, wie hoch schwebte der Heilige Geist über den Gewässern?" Ich wäre wohl geneigt gewesen, diese Anfrage als eine Großstadtjungenfrechheit anzusehen und unbeantwortet zu lassen, wenn ich den Jungen nicht von vornherein jede Anfrage, auch wenn sie ein wenig frech klänge, gestattet hätte. Denn ich wußte wohl, daß die Frechheit einer solchen Anfrage nur das in der Großstadtjugend übliche Kleid ist für da*, was sieh im Kleide der Ehrfurcht geniert. Darum antwortete ich mit der Gegenfrage: ,ie hoch stellst du dir vor, daß der Heilige Geist über den Gewässern gesehwebt habe?" Der Junge darauf: „Ich denke, er wird wohl manchmal getaucht haben, um das Wasser ein wenig zu erwärmea und fruchtbar zu machen mit seiner Wärme. Denn sonst hätte doch das Schweben keinen Zweck gehabt." Ein anderer Junge rief dazwischen: ..Vielleicht hat er auch seine Eier auf das Wasser gelegt", wurde aber vom ganzen Jungenchor ernstlich zurückgewiesen mit den Worten: „Sowas sagt man doch vom Heiligen Geist nicht, denn er ist doch die dritte Person in der Gottheit!*" Sie waren alle plötzlich andächtig geworden, und ich sagte ihnen nun, daß der Geist Gottes sicher nicht zwecklos und nicht zufällig über den Ge-

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