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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 110

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 110)
Language
German
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Magie genau wiederholter Geste ein Scheindasein herbei; in echter Nachahmung, die sich bewährt, nie in fälschendem Nachäffen, das entlarvt würde, empfängt er Maß und Richtung durch Stunde, Tag und Jahr seines Lebens, das doch eben immer sein Leben bleibt und nicht zu bewußter Kopie wird. Er eilt durch die Schichten der dauernden Uberlieferung, erinnernd, mit der Kraft eines absoluten Gedächtnisses, zurück und umfängt unmittelbar den lebendig-Bezeugten - in einer naturhaft-nahen, im Herzschlag des Geschöpfseins verbundenen Art; nicht blutgemeinschaftlich, aber blutzeugengeeint. Solche Nachfolge des evangelischen Menschen schlechthin ist von ano o derer und ursprünglicherer Kontinuität, als die Amtsfolge derer, die, einer nach dem andern, den Stuhl Petri einnehmen; sie stammt nicht aus aufgetragenem Apostolat oder übergebenem Amt allein. Sie gründet sich in den Tiefen der Kreatürlichkeit und ist Menschfolge des einen, des gottunmittelbaren Menschen. Damit wird ihr Wesen kenntlich: dieses Sich- Einschmiegen und Sich-Einverleiben ist die Mystik des Franziskus - nur hier vor dem Urgeschaffenen, vor seinem ,,Adam Kadmon", nicht in seinem Verhalten zu allen anderen Geschöpfen, wird er zum mystischen Menschen und darf er es werden. Seine Einung ist personenhafte geschichtliche Jesusinvstik und Menschfolge, nicht ideehafte geschichtslose Christusmystik und Gottfolge, nicht vom göttlichen Logos durchgeistet, sondern mit dem menschgewordenen Wort belebt; sie ist echte Zwiesprache, bewußt, wie der Freund um den nächsten Freund, der Bruder um den leiblichen Bruder im zartesten Geheimnis weiß - nicht erdacht, wie der Geist um das Göttliche wirbt. Hier geschieht kein „Werden zu einem im Fleisch wandelnden Gott", sondern Aneignung höchster Lebens- und Daseinsweise wird erreicht. Neben die Mystik des Altarsakraments, neben die Verbundenheit also, deren heiliges Mittel die Kirche hütet und spendet, tritt der mit dem Menschensohn in eins gewachsene Mensch; ohne den Christus der Kirche zu verlieren, in seiner Weihe der Gemeingestalt immer bleibend, verwirkt sich Franziskus mit Jesus. Notwendiger und besiegelnder Abschluß der Menschfolge aber ist die Kreuzigung in der Form des einbeziehenden Gnadenzeichens, das fleischlich am Leib des Nachfolgers ausbricht. Dem durchlebenden Jesusmystiker kann diese Erfahrung der Wundenmale werden: er steht diesseits des Kreuzes, er geht auf es zu - vom Geheimnis zum Vollbringen; dem Christusmystiker, der nicht geschöpflich, 47(,

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