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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 105)
Language
German
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deren Frommen ebenso erzählt werden, wie von ihm: wie er den Menschen aller Stände seinen dritten Orden geschenkt hat, so gründet er den gleichen Bund nach der Form des Evangeliums, einen „vierten Orden", der Natur unter dem Zeichen des Kreuzes. Wirklich trägt die Haubenlerche sein Habit, wirklich finden sich da echte fahrende Brüder und Spielleute des Herrn und bekehrte Sünder; auch in diesem Umkreis heiligt Armut die Wesen, die nicht säen und nicht ernten und die Gott doch erhält, gebietet Gehorsam dem Rauschen des Bachs und dem Zwitschern der Vogel Schweigen vor der Weihe des Gottesdienstes, reinigt Keuschheit der demütig dienenden Quelle und der Schwester Asche, mit der Franziskus die Üppigkeit der Speise bannt. In all dem ist nichts nur gleichsam: ursprünglichste Bilderwirklichkeit der Menschheit geht hier in die Gestalt der christlichen Liebesgemeinschaft ein. In dies Reich der Erlösuri£, das o r*^ die Völker der Erde umfassen und in der Kirche seine sichtbare Stätte haben soll, wird alles Wesen mitgenommen, wenn es dem Geist der heiligen Ökumene folgt. Nur durch diesen, nicht durch eine Allbeseelung, vermag die Welt des Franziskus die eine und ganze zu sein; den auferstehenden Leib und die erwachende Seele umfängt der gestaltende Geist: er erlöst die sündige Bloßheit der Natur, indem er sie in den Raum des Heils einordnet. Wie Franziskus den Blick auf seine Gemeinwelt richtet, ist in ihr alle Doppelung aufgehoben: so wenig es sich widerstreitet, daß die Kirche in der Ewigkeit steht und in der Zeitlichkeit waltet, daß seine Brüderschaft eine evangelische ist und ein Beginnen in gegenwärtiger Jetztzeit, so wenig ist es ein Widerspruch, daß der Asket, der den Bruder Leib in strengster Enthaltsamkeit bindet und die Augen von jeder Frau abwendet, die Tiere unter Gottes Auge brüten heißt, daß ,,die Welt ihm Kampfplatz ist vor dem Fürsten der Finsternis und vor Gott reiner Spiegel seiner Güte" - sein Blick ist der des Unerschütterlichen und L nüberwindliehen, des großen Kindes, das der Christenheit eingeboren ist. Vor diesem Einen, durch den auch die Natur ökumenisch wird, wächst, Erde und Himmel fassend, ein Münster der ganzen ebenbürtigen Schöpfung empor. Wenn es dereinst gestaltet sein wird, wird es aber nicht aus Stollen der sichtbaren Welt errichtet sein: als ein Dom aus Worten, als Werk der Kunde wird es da sein, gesagt und gesungen in neuer Sprache, deren uaturerwachsener Klangraum die geistlichen Chöre umschließt. In der Schöpfung findet Franziskus den Quell der Laut werdung; in der 471

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