Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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EDUARD STRAÜSS FRANZISKUS 3. Der Sirui In der Ausbreitung offenbart sich das Werk, die Sendung zu den Menschen. Dem. der Christen zu Christen machen soll, ist aber eine andere Wegfahrt vorgezeichnet als dem Heidenapostel. Er entdeckt keine neuen Länder, sondern das alte Land aufs neue: seine innere Bildung, seine äußere Umgrenzung. Zwiefach wird die Grenze deutlich: innerhalb der christlichen Menschheit da, wo zeitlicher Gedanke und Herrscherwille widerstrebt, in eigentümlichem Gespräch und Austausch mit der nichtchristlichen Welt stehend; außerhalb ihrer eben an jener anderen Welt, da, wo im alten Raum des Ursprungs eine Menschenart angesiedelt ist, zu der erst in mehrfacher Brechung das Licht der Offenbarung gelangt ist und von der es in anderer Richtung und in anderer Weise weitergeleitet wird, als vom Christentum. Am Hof Kaiser Friedrichs II. weckt der kindhafte Geist des Sendlings kaum mehr, als das männlich-überlegene Lächeln freidenkerischen Zweifels: die kaltklaren Blicke des Weltmächtigen gleiten über ihn hinweg, während ghibellinische Zeitpolitik sich seinem Wirken entgegenstemmt. Bei Damiette steht Franziskus vor dem Beherrscher aller Gläubigen der islamischen Welt, der einzige friedliche Kreuzfahrer; eine Weisheit aus fremden Bereichen lehnt die bekehrende und bewährende Feuerprobe seiner Heilswahrheit ab. ,,Er kehrte heim in sein Land", meldet der Chronist. Und Heimkehr aus dem Triebwerk des Geschehens - aus feindlicher Zeitlichkeit und aus fremdem Land - wird nun zu weitester W eite; in der Vertiefung ins Eigenste klärt sich der Mensch. Die Seeleneinsamkeit, in der Franziskus steht, erfüllt sich mit dem Leben der Kreatur; seinen Blikken, in denen sein Volk die Augen aufschlägt, erscheint die Welt Gottes, nicht als All erdacht, sondern von Allem gelebt, mit ihm geschaffen, mit ihm genannt, mit ihm erlöst, mit ihm des Vatersegens von Anbeginn teilhaft : ein neuer Himmel und eine neue Erde. Da ist sein Sendungsbewußtsein ohne Grenze, weil es in der allzeit erneuerten Lebensfülle der nächsten Geschöpfe wie in der zahllosen Unermeßlichkeit der fernsten Schöpfungen beheimatet ist. Aus kindlichem Wissen um das Geschöpfdasein, um die wirkliche Augenblicklichkeit und die greifbare Gegenwärtigkeit seiner 468