Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2823768-2823781-2823786--0475-2824546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tintenfaß; die Augen sind die Tintenfässer und der Mund ist für den Federhalter". Ein anderer zehnjähriger Junge nimmt ein eiförmiges Stück Ton und bohrt Löcher hinein; was übrigbleibt, ist ein totenkopfähnliches Gebilde; er hat die geschlossene, eiförmige Grundform zerstört, die Ruinen, die übrigbleiben, sind totenkopfähnlich; deswegen macht er jetzt einen Totenschädel daraus; würde man die Löcher mit Gips ausgießen, dann erhielte man plastisch positiv die Form seiner hinausgewirkten, zerstörerischen Lust. Es gibt also einen Typ Menschen, welche eine geschlossene Form zergrübeln, zerbohren und von der gegebenen Masse abtragen - und einen anderen Typ wie Andreas, welche die Masse bewahren, antragen und wachsen lassen. ★ ★ ★ Wenn ich versucht habe, das Leben und Bilden einiger Kinder darzustellen, dann wußte ich, daß ich etwas unternehme, was niemals einem Menschen gelingen kann; das Leben und Tun eines Menschen ergründen und erklären, das hieße das Wirkende selbst begreifen und benennen. Trotz der Vergewisserung bei anderen Lehrern, trotz immerwährender Selbstprüfung, Erinnern und Vorstellen der Kinder und ihrer Äußerungen ist dieser Bericht in Unsicherheit geschrieben. Je länger und tiefer man den entstehenden Fragen nachgeht, um so vielseitiger, verknüpfter und grundloser werden sie. Doch durch alle Fragen hindurch ist in dem Leben eines jeden Menschen etwas zu vernehmen von dem Wesen und Wirken des Göttlichen; und es galt hier, in jedem eigengearteten Menschtum die Kreatürlichkeit zu bezeugen. Wo und wie auch immer sich das Göttliche im Menschen unserer Einsicht kundtut, legt es die Verpflichtung auf, daß wir es ansprechen in Liebe, damit es antwortend wachsen, das Leben durchdringen und aus dem Leben hervortreten kann. k>: