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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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nicht abgenutzt, er ist originell im Ausdruck. Er erscheint überlegen; die Menschen haben ihn gern, er ist bescheiden, von natürlicher Herzlichkeit; unter den Kameraden ist er beliebt, doch hat er keinen Freund, er braucht keinen, er kann allein sein, er ist selbständig. Er liest nur gute Bücher, überdenkt lange was er gelesen hat; ganz in sich selbst versunken, hört er Musik. Man hat das Gefühl, daß in seinem Blute alles Wissen um Menschen und Dinge ruhend vorhanden ist und aus seinem Leben wieder erwacht, wächst und sich vertieft in der Begegnung mit Menschen und " O D O Dingen; er nimmt nur in sich auf und tut, was seiner Natur und seinem Wesen gemäß ist. Wenn er müde ist, schläft er; wenn er sehr müde ist. schläft er zwei Tage lang, gleichviel was die anderen dazu sagen. Wenn er prozentrechnen soll und er kann noch nicht richtig multiplizieren und dividieren, lernt er erst das notwendigere Letztere. In der Arbeit ist er langsam, gründlich und zuverlässig. Er macht sich und anderen nichts vor, ist immer wahr; wenn die Wahrheit für ihn selbst oder für andere unbequem ist und er dabei auf Widerstand stößt, dann kann er sehr eigenwillig, ja dickköpfig, starrsinnig sein. Andreas neigt zur Eigenbrötelei, er lebt in seinem reichen Gemüt und in der Liebe zur Natur; er macht große Spaziergänge durch Wälder, über Berge. Im tiefsten Grunde befriedigt ihn nicht die lieblichweiche Landschaft des Odenwaldes, er sehnt sich nach der Landschaft seiner Heimat mit dem schweren Himmel und dem Meer, er fühlt sich nicht in seinem Boden. Er braucht lange Zeit bis er sich hier eingewöhnt hat; als er später sein Zimmer gegen ein anderes tauschen soll, gibt er erst nach Tagen den Raum auf, in den er sich hiueingelebt hatte, der ihm zum Gehäuse geworden war. Wer das Leben dieses Mensehen anschaut, hat den Eindruck, daß in diesem Leben äußeres Tun und inneres Wesen sich entsprechen, eines sind. Bei Sport und Spiel ist Vndreas ruhig, sein Körper ist beweglich und kräftig. Er zeigt Vorliebe und Verständnis für praktische Arbeiten; das Theoretisch-Unanschauliche ist seinem Wesen fern, es prägt sich ihm nicht ein, dafür hat er kein Gedächtnis. Kr kann nicht mechanisch auswendig lernen; fremde Sprachen kann er nicht begreifen; in der Mathematik versteht er nur das Anschauliche; in der Physik liegt ihm am meisten die Mechanik. Er ist besonders interessiert für Naturgeschichte. Biologie, beobachtet gut. Er zeichnet gerne Landschaften mit weichem Blei, sie erstehen aus Licht und Schatten; er zeichnet nie in abstrahierenden Linien. Er malt mit dunkelleuchtenden Pastellfarben im-

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