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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 98)
Language
German
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charakteristische Notiz über Kalifornien aus ihrem Geographieheft: „In Kalifornien gibt es sehr viele Erdbeben, wobei ganze Städte zertrümmern und anbrennen. In Kalifornien gab es sehr viel Gold, es reisten viele Leute aus Europa nach Kalifornien, um Gold zu finden. Bei Kalifornien ist ein Tal, das nennt man das Todestal, weil es da so heiß ist, daß man da kaum leben kann. In dem Todestal wächst gar nichts, da ist es zu heiß, es sind auch keine Tiere da, es ist furchtbar still und heiß da. Die Tiere, die es da gibt, kommen nur in der Nacht heraus, weil es da etwas kühler wird." Diesen Text illustriert Hilde mit einem Bild „Die Erdbeben in Kalifornien und brennende Städte". Hilde ist zur Zeit, als sie dies schreibt und zeichnet, dreizehneinhalb Jahre alt. In demselben Geographieheft sind Landschaften aus den verschiedensten Teilen der Erde dargestellt, die ein feines Verständnis für die Eigenart der Landschaft, für die Luft und das Licht, für die Vegetation, die Tiere und Menschen offenbaren. In der folgenden Zeit schwindet mehr das Interesse am Besonderen, die Naturbeobachtung und das Naturstudium werden vertieft. So wie früher, erfindet sie auch jetzt ihre Bilder selbst. Die Titel der Bilder sind z. B. „Auf dem Wochenmarkt und Viehmarkt", „Bilder zu Hänsel und Gretel", ..Ein Holzfuhrwerk", „Reh im Winter". Nur sind alle Dinge realistischer und charakteristischer geworden. Die Darstellungen werden konzentriert, sie sind nicht mehr Spiel und ungestalteter Ausdruck, sondern folgerichtige, systematische Arbeit. Hilde beginnt auch zu modellieren: ruhende Tiere. Sie macht Linoleumschnitte, sie verzichtet auf bequeme Mittel der Darstellung, sie beschränkt sich immer mehr und stellt strengere Forderungen an sich selbst. Sie übt fruchtbare Kritik an ihrer Arbeit, während sie früher mit ihren Bildern zufrieden war; sie verträgt auch und verwertet fremde Kritik. Jetzt ist sie fünfzehn Jahre alt. ★ ★ ★ \^ enn Andreas herankommt, stämmig, mit rundem Kopf und klugen, kleinen Augen, sieht er aus wie ein junger Bauer, der bedächtig über seine Felder geht. Er ist fünfzehn Jahre alt, Balte. Trotz der kindlichen Offenheit seines Gesichts und Geradheit seines Charakters weiß man nicht, was vr im Grunde denkt; er schaut sich Menschen und Dinge an, redet nicht viel, hört zu, macht manchmal eine treffende humoristische Bemerkung. Gelegentlich, wenn er etwas erzählt, sucht er nach Worten, findet die alten Worte und bildet sie neu, mit ihrem Sinn erfüllt; die Sprache ist ihm 464

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