Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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kommt und die Dunkelheit alles zudeckt. Die Berge in den Landschaftsbildern türmen sich hoch: karminrote Türme, davor ein ovaler See, zartrosa, dunkelgrüne Uferränder, umstanden von etlichen Bäumen. Nach Jahren treten diese Formen immer wieder auf in den verschiedenartigsten Variationen. Die Bilder kann man nicht sagen, man muß sie spüren und sehen in ihrer Dunkelheit, Melancholie und bitteren Einsamkeit, in ihrem Schmerz. Starke Eindrücke im Leben eines Kindes wirken sich immer wieder aus und geben dem Leben und Handeln eigenartige Färbung und Richtung. Gelingt es nicht, solche Eindrücke restlos wieder auszudrücken, ihnen klar gegenüberzutreten, sie loszuwerden, dann können sie Jus ganze Leben eines Menschen beherrschen und bestimmen. Ich berichte hier ein besonders deutliches Beispiel aus dem starken Ausdrucksleben eines siebzehnjährigen Mädchens. Else träumt in der Nacht diesen Traum: sie fühlt sieh vor Angst gelähmt im Schlaf, kraftlos; eine Gestalt, nicht Mann nicht Weib, wie ein Block, steht mitten in der Brust. Der Atem wehrt sich, geht sc hwer. Das Ungetüm wächst, unheimlich, und wie es wächst, neigt es sich nach vorn, das starre Gesicht wird zum höhnischen Grinsen, und da, wie das Ungetüm stürzt, wacht sie auf. In ihrer Angst zeichnet sie das Untier hin auf ein Blatt Papier. Es steht ganz vorn am Rand, ohne Hintergrund und droht herauszustürzen. Der Traum verfolgt sie, sie erzählt ihn öfters, dd> Ungetüm verliert seine Kraft, wird im Bewußtsein blasser, tritt auf der nächsten Zeichnung, schon kleiner geworden, in den .Mittelgrund zurück und erhält Boden unter den Füßen. In der dritten Zeichnung treten zwei solche Gestalten aus einem dunklen Hintergrund heraus, ihre Beziehung zueinander bindet sie gegenseitig und sie wirken nicht mehr hinaus auf den öd r? Beschauer. Einige Tage später wird ein ,,Biid" daraus, literarisch ausgedacht; das erschreckende Ungetüm ist überwunden, zerredet, es hat Stoff gegeben für ein tiefempfundenes Geschwätz. Else sagt, daß dieses Ungetüm aussieht wie ein Mann, den sie vor einiger Zeit in der Eisenbahn gesehen hat, dieser Manu erinnert sie wieder an dies und das und so rollt die ganze Kette von Eindrücken und Erinnerungen ab bis zum ersten Eindruck: Grunderlebnis, von dem alles ausgeht. Alle vorher gemalten 7 und gezeichneten Ausdrucksdarstellungen werden nun durchsichtig und ordnen sich um das bestimmende Grunderlebnis. Die inneren Erregungen und Bewegungen stellen sich dar in immer neuen Bildern: die Art und die Mittel des Ausdrucks sind stets verschieden, gemäß der stets veränderten t:>9