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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 92)
Language
German
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der: rote Rosen in einem Korb, die dunklen Rosen leuchten nur wenig aus dem schwarzen Hintergrund heraus. Jetzt aber will Sonja ein frohes Bild malen mit Rosen, die Farben stehen brennend auf schwarzem Grund. Sie sitzt vor dem fertigen Bild, sie wird unruhig, nervös und sagt zusammenbrechend weinend: „Ich muß überall Schwarz mitten hinein machen, das ist Verwesung und Tod, das fühle ich so, das muß ich. Ich weiß, daß man das Schwarze nicht sieht, aber es ist doch so!" Und mit dem Pinsel reibt sie in jede Blume Schwarz mitten hinein. Ich sage ihr, sie soll jetzt malen was sie will, vielleicht etwas ganz Ungegenständliches, etwas, was es nur in ihr gibt. Da bricht es aus ihr los. Es brodeln und flattern und schmieren die dunklen Farben. Jedes Blatt ist ein Schrei; das Erdrückendste in ihrem Leben ist Einsamkeit, Angst. Das erste Blatt drückt aus: „Angst, das ändert sich immer, wird anders und immer wieder anders." Das zweite Blatt soll darstellen wonach sie sich sehnt: „Freude". Doch diese Freude ist ein zerflatterndes, brennendes, rotes Schreien, ein Rasen, ein Schmerz. Drittes Blatt: „Haß". Die nebeneinander laufenden Gefühle spalten und zerfasern sich. Dann „Schmerz", wie eine offene Wunde. Dann in ähnlicher Form, aber in wehmütigen Farben „Sehnsucht". Das folgende Blatt mit der Gegenüberstellung „Stärke-Schwäche",zu Stärke setzt Sonja noch die Ergänzung „Selbstbewußtsein, Grobheit", jedoch zu Schwäche setzt sie ..Zarte und Schüchternheit". Und nun malt sie immer wieder die ovale Form, die schon als Schmerz erschien, sie reibt wollüstig-schmerzlich die Farben dick auf das Papier, blutschwarz, und sie wird ganz verschlungen von dieser Form und Farbe. Die Bilder nennt sie „Liebe", „List", „Stolz", auf dieses letzte schreibt sie noch dazu: „Zurückhaltendheit". Zum Schluß malt sie ein Bild das heißt „Demut". Diese Bildreihe schildert erschütternd den Seelenzustand dieses Menschen. Nun zeichnet Sonja zum erstenmal in ihrem Leben einen bestimmten Gegenstand, eine schlanke weiße Kanne. Nach ein paar Tagen zeichnet sie die Kanne wieder aus der Erinnerung, auf schwarz-braunem Boden stehend, später malt sie nochmals die Kanne. Sonja behauptet, die ursprüngliche Zeichnung zu wiederholen, aber die Kanne ist ganz versunken in dunklem Grund, nur wenige Inseln von dem früheren Weiß konnten sich retten. Genau das Gleiche wiederholt sich bei der Darstellung eines andern Gegenstandes. Sonja malt nun eine Reihe Landschaften: auf jedem Bild geht die Sonne unter in schwarzblauem Himmel, nie geht die Sonne auf! Sonja ist froh, wenn die Nacht 458

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