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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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ein verhaltener Jubel und eine stille Freude: gegenwartsfroh, zweidimensional flächig, da gibt es nur Rhythmus und Melodie. Wenn Emma Menschen zeichnet, sehen sie immer anders aus, die Darstellungen sind nicht festgelegt durch Formschemata; die Schemata für Mensch, Baum, Berg, Haus werden den Kindern schon früh gegeben durch Erwachsene oder durch schlechte Bilderbücher; Emma hat das seltene Glück, unverbildet zu sein. Ihre Darstellungen wandeln sich mit ihrer Anschauung und wachsenden o © Reife; bei anderen Kindern wird durch die in der Vorstellung festsitzenden Formschemata, welche der weitergeschrittenen reicheren Anschauung und dem Wissen von den Dingen nicht mehr genügen, und durch die daraus entstandene Unfähigkeit neue Formen für diese Dinge zu finden und sie in neuen Zeichen auszusprechen ein Konflikt herbeigeführt, der meistens endigt mit unzufriedenem Verzicht auf das Zeichnen. Eltern begehen dabei oft den Fehler, den ersten Anlaß dieses Versagens nicht in sich selbst zu suchen, sondern ihre Kinder unbegabt zu nennen, um dadurch noch die Entmutigung voll zu machen. ★ ★ * Winfriede, achtjährig, ist schwächlich, nervös und zitterig, aufdringlich anschmiegsam und zu Zärtlichkeiten geneigt, wahllos im Verkehr, ohne Distanzgefühl. Sie wirft sich an die Menschen hin und klettert an ihnen herum; das Kind ist verprügelt und launisch geliebt von der Mutter. Winfriede war mit ihrer älteren Schwester tagsüber einem Dienstmädchen und sich selbst überlassen. Die Mutter war bis spät am Abend im anstrengenden Beruf tätig, der Vater seit Jahren nicht zu Hause. Im Spiel mit anderen Kindern zeigt sich Winfriede laut und eifrig, in praktischen Arbeiten gutwillig und unselbständig, im übrigen nur noch interessiert für schöne Kleids O7 © der. Sie ist von ihrer Vergangenheit belastet, ängstlich in der Gegenwart, voll Furcht vor dem was kommt; in der Nacht erschreckt von schweren Träumen, schreit sie auf, fürchtet sich vor den Traumbildern und vor der Finsternis: sie weiß von dem Raum der Zeit, wo man hinabstürzen kann in schreckliche Erinnerungen der Vergangenheit, in grundlose Löcher, oder gebannt ist von Schlangen. In ihrem Leben gibt es ein Vor und Zurück, ein Uberfallenwerden und ein Füehen, und ein Vorbeigehen; ihre Bilder sind dreidimensional, da ist alles beziehungshaft. Geht sie das, was sir malt, nichts an, „betrifft" es sie nicht, dann wandert es in der Fläche von rechts nach links vorbei durch das Bild. Aber die Dinge köunen auch per- 453

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