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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 86)
Language
German
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lieh einen Zacken macht; gegen diesen Zacken stoßen kurze Striche vor. Nikolai spricht dazu: „Gehe krummen Weg, tu was Böses, alle Menschen sagen Schuft, Schuft, (aus den kurzen Strichen treibt ein einziger kräftigerer Strich, wie als Zusammenfassung aller anderen gegen den Zacken hin, Nikolai macht von dem Zacken aus nach oben entschlossen einen geraden Strich, der in einem Punkt endigt,) will gut sein, tu was Gutes (- ganz erstaunt:) alle Menschen sagen Schuft, Schuft? - (macht einen energischen Strich nach rechts, schrickt zurück:) will Gutes, tu Gutes, alle Menschen sagen Schuft und bös, (nachdenklich:) Menschen wollen mich bös, machen mich bös. (kehrt zögernd, dann entschlossen in den Punkt zurück, macht ihn groß und schwarz,) muß Schuft bleiben, will Schuft sein, werde bös und böser, (zeichnet dabei von dem Punkt aus nach links eine krumme, sich einrollende und in einem Punkt endigende Linie,) - tu was Böses, alle Menschen sagen bös zu mir, ich selbst sag bös, 6m Schuft: tu was großes Böses, werd großer Schuft, bin ich auch: Ich, groß bös." ★ ★ * Emma ist kräftig, gesund und froh, blond, blauäugig, acht Jahre alt, ein Kind aus dem fruchtbaren Bodenseegebiet. Ich könnte ihre guten Eigenschaften aufzählen, dadurch aber würde die in sich beruhende, ausgeglichene und ausstrahlende Wesenseinheit dieses Kindes verlorengehen. Emma ist immer neu beglückt über das Wunder der Farben. Sie liebt ihre Farbstifte, es ist selbstverständlich, daß sie die Farben nicht mißbraucht, das Papier nicht besudelt; keusch behütet sie die Materialien. Sie malt rot, grün, blau, gelb: mit reinen ungemischten Farben. Sie beginnt zu malen mitten auf dem Papier und das Bildornament wächst immer neuartig wie eine Pflanze organisch von innen nach außen; es kann beliebig wachsen, beliebig aufhören, es ist immer fertig, etwas Ganzes. Die Bilder sind nicht vorher bedacht, sie entstehen unter dem Farbstift. Emma zeichnet reine Ornamente; auch die mehr gegenständlichen Darstellungen wirken ornamental, jedes Bild ist in Linien und Farben anders rhythmisiert. Emma malt mit Farbstiften eine bunte Blume, aus dem Stengel derselben Blume erblühen die verschiedenartigsten Blüten in naturähnlichen und erfundenen Formen; das Bild wirkt einheitlich, weil alle Formen und Farben organisch hervorgegangen sind aus einer reichen, einheitlichen Phantasie. Nichts steht unzusammenhängend, dazugedacht oder verloren im Bild. Die Zeichenblätter sind gefüllt, ohne überladen zu sein; die Bilder sind wie 452

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